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Christophers Reisebericht I

10.08.2009

Vor drei Tagen bin ich um 22.30 Uhr Ortszeit in meiner Gastfamilie angekommen . Es ist super hier. Nach einer aufregenden Fahrt auf der offen Ladeflaeche eines alten Pick-Ups durch das naechtliche Guayaquil (das mich sehr an Lima erinnert) wurde ich mit der mir voellig unbekannten Familie alleine gelassen. Vater, Mutter und drei Toechter (zwischen 16 und 19 Jahre alt), die juengste im fuenften Monat schwanger. Nach dem wir uns begrueszt hatten – die Maenner mit kraeftigem Haendedruck („¡Mucho Gusto!“), die Frauen mit Kuesschen auf die Wange („¡Encantado!“) – zeigte der Vater mit stolz das „Haus“. Vier Auszenwaende aus nacktem Stein, durch eine weitere Steinwand unterteilt in zwei Zimmer, Wellblechdach.

Das Haus ist relativ grosz. Jedes der zwei Zimmer etwa so grosz wie ein normales deutsches Wohnzimmer. Der Begriff Wohnzimmer bekommt hier allerdings eine ganz andere Bedeutung, denn es handelt sich wirklich um “Wohn”-zimmer. Im ersten Raum ein wackeliger Tisch mit vier selbstgebauten Stuehlen (bei denen die Sitzflaeche, wie ich spaeter feststellen musste, nicht befestigt, sondern nur aufgelegt ist). Auszerdem ein Kuehlschrank, eine Spuele, ein Herd, eine Waschmaschine, eine Mikrowelle und ein Mixer. Der Boden besteht aus nacktem Zement, die Tuer ist nur eine Eisenplatte mit zwei Riegeln und die Fenster nur zwei vergitterte Loecher in der Wand. Im zweiten Raum – auch hier Zementboden, allerdings diesmal nicht flach, sondern rauh und broeckelig- stehen der Fernseher und die Betten. Drei an der Zahl. Durch eine weitere Tuer, diesmal aus Holz, geht es in einen Hof. Hier befinden sich die Waescheleinen und das Toilettenhaeuschen. Ich kriege einen kleinen Schreck. Die sanitaere Einrichtung besteht aus zwei Eimer mit Wasser, einer Toilette, allerdings ohne Spuelkasten und Brille, einer Rolle Toilletenpapier, einem Muelleimer,einer Shampooflasche, sonst nichts. Kein flieszend Wasser in Sicht. Aber egal, wie man die Wassereimerspuelung bedient hatte ich ja in Perú gelernt. Einfach einen Eimer Wasser nehmen und ins Klo schuetten. Sauber.

Aber wie sollte ich duschen? Es ist super hier. Nach der Hausfuehrung bekam ich sogar etwas zu Essen. Die Familie ist unglaublich nett und zuvorkommend, allerdings konnten wir uns nicht alle an den Tisch setzten, weil es nur fuenf Stuehle gibt, aber egal. Es gab Reis (es gibt immer Reis), eine Sosze aus Kartoffeln und Butter und Fleisch. Angeblich Leber. Schmeckte etwas ungewoehnlich, aber lecker. Nach dem Essen wurde mir mein Schlafplatz zugeteilt. Ich sollte allein in einem der drei Betten schlafen, die Familie wuerde sich mit den anderen zweien begnuegen. Zu fuenft. Hallo!? Ich wollte unbedingt mein Bett abtreteb und auf dem Boden schlafen, aber egal wie sehr ich insistierte, es hatte keinen Sinn.

An Schlaf war allerdings kaum zu denken, denn die vielen Hunde lieferten sich erbitterte Bellduelle, es war heisz und auszerdem war Freitag, so dass ueberalle laute Musik lief. Egal. Dank Ohropax und einer bleiernen Muedigkeit – ich war immerhin fast 30 stunden unterwegs gewesen – fiel ich einen unruhigen Schlaf. Am naechsten Morgen stellte ich mit Erleichterung fest, dass es zwar keine Dusche, aber einen Gartenschlauch gibt, der bis zum Toilettenhaeuschen reicht.

Es ist super hier! Alle MoGs und alle Instrumente sind unversehrt angekommen und ich freue mich sehr auf die kommenden Wochen.