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Das Maß der Dinge

Es fällt schwer von hier zu berichten, ohne dass es zu Hause ‚schlimm’ klingt. Und es ist etwas ganz anderes, ob ich das Leben für meine sechs Wochen hier beschreibe oder ob ich dabei daran denke, dass die Menschen, die im Guasmo leben, vielleicht ihr Leben lang nichts anderes kennen lernen. Das bringt mich immer wieder zum Nachdenken, denn natürlich kann ich mich über die kühlen, frischen Früchte auf dem Weg zur Musikschule freuen, die Säfte, die leckeren Bananen, die Sonne, die lachenden Gesichter, die Farben und Geräusche. Genauso sehr zweifle ich aber auch daran, dass ich hier länger als geplant den Willen haben würde, mit meinen Gastbrüdern mein Bett, mit den Kakerlaken die Dusche und mit dem Müll die Straße zu teilen – ‚normal’ ist hier auch das. Immer wieder werde ich gefragt, ob ich mich wohl fühle. Ja, sehr sogar. Doch die Gründe dafür unterscheiden sich sehr von denen zu Hause. Ein Vergleich überfordert mich und ich muss mich wieder auf die Erkenntnis beschränken, dass es hier anders ist, ganz anders.

In diesem Bewusstsein gehe ich meiner Arbeit nach und springe mit der Kamera von Unterricht zu Unterricht. Die Stimmen der SängerInnen werden lauter und selbstbewusster, anfängliche Fetzen setzen sich zu ganzen Liedern zusammen und die Einzelarbeiten im Unterricht sorgen in den gemeinsamen Bandproben am Abend für gute Stimmung – im Wortsinn. Das Zusehen und –hören macht Spaß und mit der Routine kommt auch bei den Lehrer-MoGs die Entspannung, und damit die Freude. Noch mehr ;-)

Trotzdem sind wir reif für das kommende Wochenende, das wir gemeinsam mit den Ecuadorianern einige Stunden außerhalb von Guayaquil auf einer Finca verbringen werden. Ausschlafen, sich ohne Risiko draußen frei bewegen, baden, spielen, Musik machen… Einmal raus hier und die Arbeit zur Halbzeit beiseite legen! Au ja!

Doch bevor wir für die nächsten drei Tage verschwinden sei noch schnell von einer amüsanten Begegnung mit dem ecuadorianischen Fernsehen berichtet, das heute Morgen bereits um 7.30 Uhr eintraf – und vielleicht zehn, sicher aber keine 15 Minuten blieb. Eine Liveübertragung bei schlechtem Licht, lauter Musik im Bandraum, 15-sekündiger Moderation (kaum vorstellbar, dass auch nur ein Wort zu verstehen war…) und kurzen Interviewfragen an Magdalena und Rodolfo. Schade, dass wir das nicht selbst sehen konnten, es war ein Spaß!

Herzliche Grüße – wie immer natürlich von allen – und bis bald!

Christoph