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Die letzten Tage

Knapp vier Wochen habe ich jetzt durch die Kamera beobachtet, wie junge Leute von morgens bis spät abends zu „Mi Cometa“ kommen und gemeinsam nach den schönen und richtigen Tönen suchen. Ehrgeizig, leidenschaftlich, manche gleich mit drei Instrumenten, täglichem Unterricht, dazu die eigenen Übungen im stillen Kämmerlein (still, naja…) und trotzdem immer, wirklich immer zur Stelle, wenn einer von uns MoGs nach Hause begleitet werden muss, weil der Weg allein zu unsicher wäre. Nicht zu vergessen die langen, gemeinsamen Abende im Billard, das gemeinsame Essen, die Pausen, die Gespräche…

Kurzum: Nach einer solch gleichermaßen intensiven wie kurzweiligen Zeit bin ich richtig stolz und rührt es mich, alle zusammen auf unserem ersten Abschlusskonzert im Deutschen Kulturzentrum auf der Bühne zu sehen, die Stimmung zu genießen und bei dem gegenseitigen Anfeuern am Bühnenrand die Gänsehaut auf dem Rücken zu spüren! Ein Konzert, das ich gefühlt als vielleicht mehr als eine Feier in Erinnerung behalten werde.

„Musik als universelle Sprache verstehen“ – das Ziel ist hoch gesteckt. Doch wenn ich mir klar mache, wie viel so viele Menschen (und es gehören spätestens seit heute auch Eltern, Freunde und Bekannte dazu) in so kurzer Zeit verstanden, gelernt und erreicht haben, ohne dabei Worte zu nutzen, und wie viel davon heute weitergegeben wurde, dann denke ich „das geht!“.

Mit der leisen Vorahnung, dass der morgige Abend nach dem zweiten Konzert sicher ein längerer wird und der Samstag dann schon der letzte offizielle Tag der Projektphase ist, an dem ich ganz bestimmt nur schwer die Ruhe finde, mich an unseren Reisebericht zu setzen, sage ich meinen nächsten Bericht erst für Anfang der nächsten Woche zu, wenn die meisten von uns bereits auf dem Weg zurück nach Hamburg sind. Ein paar werden jedoch noch für einige Tage in Ecuador bleiben, um die Welt außerhalb des Guasmos kennen zu lernen (z.B. beim  Orangenpflücken…) oder um in der Musikschule mit dem weiter zu arbeiten, was liegen geblieben ist – Unordnung, Auswertungsergebnisse, offene Fragen oder das eine oder andere Eis aus vergessenen Pausen ;-)

Morgen also noch einmal Abschlusskonzert mit den Schülern, am Samstag ein kleines Konzert, das von den MoGs gestaltet wird, sowie die Abschlusspräsentation mit den Ecuadorianern und am Sonntag dann die Auswertung und erste, sehr konkrete Abschieds- und Abreisegedanken.

Aber so weit sind wir zum Glück noch nicht! Eigentlich, wenn ich ehrlich bin, habe ich vielmehr den Eindruck, dass so mancher jetzt erst richtig loslegen könnte, wo der Stundenplan funktioniert, man anfängt, auch seinen eigenen Gedanken auf Spanisch zu folgen und die routinierte Gelassenheit ihre Daseinsberechtigung bekommt. Die Ecuadorianer scheinen das auch zu denken, zumindest schmeichelten sie uns heute Abend mit einem Beitrag im Fernsehen. Der Beweis ist ganz bald unten zu sehen, zu hören allerdings noch nicht, denn für die ‚richtige’ Sendung müssen wir noch auf die Jagd gehen.

So weit für heute. Bis in ein paar Tagen, und dann ganz sicher noch einmal mit allerlei gesammelten Bildern und Eindrücken aus unserer Zeit im Guasmo.

Christoph