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Advent, Advent

… ein Lichtlein brennt.

Von wegen! Das Einzige was hier brennt ist die Sonne; es sind 35 Grad.

Da helfen auch die geschmueckten Palmen in den Einkaufszentren nicht weiter, ich stelle mir die fruehe Vorweihnachtszeit einfach anders vor.

Aber: Die Ecuadorianer waeren nicht die Ecuadorianer, wenn sie es nicht schaffen wuerden quasi aus dem Nichts , puenktlich zur Adventszeit, Weihnachtsstimmung aus dem Hut zu zaubern.
Wie sie das machen? Ich gebe Ihnen einen kleinen Tipp, vielleicht kommen Sie ja von selbst drauf:

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.  Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, …

Haben Sie`s?
Wenn man`s weiss, ist es einfach:
Heute, am 28.11.2010, – puenktlich zum 1. Advent – gibt es in ganz Ecuador eine Volkszaehlung. Ich finde das super!
Zunaechst wundert man sich, aber wenn man genauer darueber nachdenkt, dann faellt es einem wie Schuppen von den Augen:
Jede gute Weihnachtsgeschichte sollte mit einer Volkszaehlung beginnen.
Nun heisst diese Veranstaltung hier natuerlich nicht “Volkszaehlung”, sondern “Censo”, aber ich finde das tut der Sache nun wirklich keinen Abbruch.

Nun ist der “Censo” leider garnicht so romantisch, wie man vielleicht denken sollte. Ich habe mal auf die Strasse geguckt: Da sieht man keine pilgernden Heerschaaren,  von schwangeren Frauen auf Eseln ganz zu schweigen… Und warum? Weil eine Ausgangssperre verhaengt wurde: von 7 Uhr bis 17 Uhr – das macht insgesamt 10 Stunden!
Wahrscheinlich wuerde ich an einem heissen Sonntag garnicht rausgehen, es ist viel zu warm. Aber jetzt darf ich nicht und das Ausgehen bekommt den Reiz des Verbotenen: Die Ausgangssperre liegt wie eine Kaeseglocke ueber unserem Haus.
Was zaehlen die denn ueberhaupt? Zaehlen die auch mich? Oder gerade mich? Die wissen doch, dass ich hier bin…
10 Stunde hinter den Gitterstaeben der Fenster.
Uebrigens ist auch Alkoholverbot und laut sein darf man auch nicht.

Und was tue ich nun die verbleibenden 7 Stunden und 47 Minuten? Meine Gastfamilie putzt das Haus und spaeter wird der Plastikweihnachtsbaum aufgestellt und das Haus dekoriert. Ich werde dabei natuerlich mithelfen, aber vorher wollte ich noch eine Sache sagen:

Ich wuensche Ihnen allen einen frohen 1. Advent und eine gesegnete Adventszeit.