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Feliz Navidad

Tja, heute ist es soweit: Es ist Weihnachten. Das Fest, das jedes Jahr wieder kommt und doch immer anders ist. Ich habe noch nie den Tag des heiligen Abends mit einer warme Fischsuppe und Kochbananen begonnen, aber so schlecht ist das gar nicht.

Der Baum steht schon lange und ist festlich geschmueckt, darunter liegen Geschenke und daneben blinkt die Krippe. Der Hahn kraehlt, als wolle er etwas verkuenden oder als wenn er ganz grosse Schmerzen haette. Weihnachten ist da – bei Annika, Lilly und mir, genau wie In Deutschland.

Die beruehmte und bekannte “Weihnachtsstimmung” klingt, brennt und sinkt auf uns nieder und doch ist alles so anders; etwa 10.500 km entfernt von allen, mit denen ich jemals Weihnachten gefeiert habe und allen, denen ich jemals “frohe Weihnachten” gewuenscht habe.

Aber auch wenn es hier mit der “Weissen-Weihnachts-Stimmung” etwas schwer ist, so moechte ich doch versuchen Ihnen etwas Weihnachtsstimung zu uebermitteln.
Deswegen moechte ich Sie darum bitten, die folgende Zeilen einmal In Ruhe zu lesen.

Knecht Ruprecht

(Theodor Storm)

Von draus vom Walde komm‘ ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolcht‘ durch den finstern Tann,
Da rief’s mich mit heller Stimme an:

„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmeltor ist aufgetan,
Alt‘ und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Und morgen flieg‘ ich hinab zur Erden,
Denn es soll wieder Weihnachten werden!“

Ich sprach: „O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.“ –
„Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier;
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern.“ –

„Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.“
Christkindlein sprach: „So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“

Von draus vom Walde komm‘ ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
nun sprecht, wie ich’s herinnen find‘!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

Ich wuensche Ihnen allen von ganzem Herzen: frohe Weihnachten!

Leander