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Oh Tannenbaum

…und dann sollte der Weihnachtsbaum geschmueckt werden. Bereits auf dem Weg nach Hause sang meine kleine Gastschwester immer “…und gleich schmuecken wir den Weihnachtsbaum…” (natuerlich auf Spanisch) und klatschte dabei froehlich in die Haende.

Nach dem Abendessen gingen wir dann gemeinsam zu einem grossen Karton und einzelne Schachteln mit Weihnachtsbaumschmuck wurden hervorgeholt. Es wurde immer mehr und meine Augen immer groesser.

Am Ende blickte ich auf:

12 Äpfel (rot glitzernd)
17 Sterne (Gold, Silber, Grün und Blau)
15 Herzen (Rot glitzernd, grelles Gelb und grelles Orange)
12 Tropfen (Silber, Gold und Rot)
6 grosse Trommeln (grelles Gold, grelles Silber und grelles Rot)
9 mittlere Trommeln (grelles Gold, grelles Silber und grelles Rot)
6 kleine Trommeln (grelles Gold, grelles Silber und grelles Rot)
16 Glocken (alle Farben des Regenbogens)
6 Engel (mattes Gold)
6 Weihnachtsmänner (Gelb / Weiss)
18 Tannenzapfen (Braun)
6 Geschenke (dunkles Blau und grelles Gold)
6 Schneemänner
4 Glasfiguren, die im Dunkeln leuchten
4 Nikolaeuse in blauen Struempfen
1 Nikolaustrumpf
1 Kette mit goldenen Kugeln
1 Kette mit silbernen Kugeln
1 Kette mit Zuckerstangen
155 Kugeln (Rosa, Pink, Rot, Gold, Silber, Gruen, Blau; mit und ohne Schneeschimmer; mit und ohne Weihnachtsmotive; mit Spiralen und ohne)
2 Girlanden in Silber mit roten Sternen
2 Girlanden in Gold mit roten Sternen
1 Girlande mit Gold und Silber
1 Girlande mit Silber und Pink
1 Girlande mit Silber, Lila und Gruen

Dazu kamen noch 2 Lichterketten mit blauen, roten und gruenen Leuchten und
2 Lichterketten, die in einem gnadenlosen Handyklingeltonmedley die Weihnachtslieder “Jingle Bells”, “Santa Claus is coming to town” und “We wish you a merry Christmas” gleichzeitig und gegeneinander spielten.

Als Gast gebuehrte mir die Ehre, den Weihnachtsbaum schmuecken zu duerfen. Die aesthetische Vorgabe war hierbei: “Die kleinen Sachen kommen nach oben und die grossen Kugeln nach ganz unten!”.
Was darauf folgte, muss fuer meine Gastfamilie sehr komisch gewirkt haben: Der Deutsche schlich bedaechtig um den Weihnachtsbaum herum und haengte hier und dort vereinzelt Schmuck auf.

Es prallten Kulturen aufeinader.

Meine Gastschwester und mein Gastbruder fingen an mir zu “helfen” und bespickten den Baum mit allerei Gedoens. Ich schlich hinterher und haengte um, denn – bei aller kultureller Toleranz – Pink neben Rot geht doch nicht oder etwa zu viele Kugeln auf zu engem Raum oder verschiedene Goldtoene nebeneinander oder …
Wo kein Platz mehr war, da wurden die Plastikzweige umgebogen, alles sollte dran.

Ich musste mich damit abfinden, dass die grellen Herzen und die kitschigen Kugeln auch irgendwann kamen, aber insgesamt waren die Areale noch gut eingeteilt: Oben hingen ja nur die kleinen Dinge und die waren Gold, Rot, Blau und Silber – das geht!
In der Mitte kamen die hellen Farben, in sich stimmig, leicht kitschig – akzeptiert.
Unten dann die grossen Kugeln: gewohnungsbeduerftig.

Aber: Ich hatte nicht an die Girlanden gedacht.
GNADENLOS wurden nun die silber-pinke, die silber-goldenen, die silber-rote und die silber-lila-gruene Girlande quer um den Weihnachtsbaum geschwungen.
Die darauf folgenden Lichterketten waren mir dann auch egal, meine puristische Aesthetik war verworfen.
Ich hatte bereits resigniert, als der “Stern” kam: ca. 40 cm Durchmesser, ueber dem Weihnachtsbaum an der Decke befestigt und in den Farben Rot, Gruen und Orange blinkend.

Nach einer Stunde, 35 Minuten und 13,97 Sekunden erstrahlte unser Haus in einem “neuen Licht”.
Unten koennen Sie das Werk bewundern.
Was soll ich sagen … Es ist nicht meine Schuld ;)

glg

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