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DA SIMMER DABEI! oder laufen ganz schnell weg…

Ecuador Alaaf! – Helau! – Man Teou!
Wie feiern die eigentlich Karneval da drueben in Ecuador?

Also im Guasmo wird man – wenn man Glueck hat – nur mit Wasser bespritzt oder in ein kleines Schwimmbecken geworfen. Etwas aermer dran ist, wer mit Matsch eingeschmiert oder mit Eiern beworfen wird. Verloren hat allerdings der, der mit Wasserbomen mit einem Wasser-Farb-Gemisch oder mit einem Wasser-Urin-Gemisch beworfen wird.
So viel war also schon einmal klar: Raus aus dem Guasmo und raus aus Guayaquil!
Nun faehrt der jugendliche oder junggebliebene Ecuadorianer in dieser Zeit entweder in die Karnevalshochburg Ambato oder an den Strand, denn dort gibt es Konzerte, man trinkt und tanzt bis in die Morgenstunden. Allerdings wollen das wohl auch fast alle Feierwilligen des Landes und deshalb sind zu dieser Zeit die Busse und Hostels in diesen Regionen heillos ueberfuellt…

Aus all diesen Gruenden und weil wir netterweise von unserer Freundin Dana eingeladen worden sind, fuhren Annika und ich mit einigen Freunden nach Cotacachi. Was zunaechst klingt wie eine Aeusserung bei einem Schnupfen, reiht sich bei naeherer Betrrachtung lueckenlos in ecuadorianische Staedtenamen wie “Jipijapi” oder “Yaguachi” ein.
Diese Stadt liegt am Fuss des gleichnamigen Berges im Norden des Landes und befindet sich im Andenhochland, wenn Sie mitreden wollen: In der “Sierra”.
Nur kurz als Ueberblick: Wenn auch Sie sich als Ecuadorkenner outen wollen dann sollten Sie mit folgenden Vokabeln um sich werfen: “Sierra” (das Andenhochland), “Costa” (die Kuestenregion) und der “Oriente” (das Regenwaldgebiet). Wir fuhren also in die “Sierra” und genossen den frischen Wind und die Hoehensonne in der 3.064 m hoch gelegenen Stadt.

“Hoehensonne”, ein Wort, das ich bisher immer nur muede belaechelt habe. Allerdings war lächeln etwas, was bereits nach dem zweiten Tag nicht mehr schmerzfrei moeglich war, denn mein rotes Gesicht schmerzte schon im Ruhezustand. Der “frische Wind” erwies sich als knallharte Kaelte und so schlief ich die vier Naechte mit voller Kleidung und Jacke auf dem Sofa unter drei Decken.
Kaelte und Verbrennungen koennen so nahe beieinander liegen.

Aber zurueck zum “Carnaval”. Am ersten Tag fuhren wir in ein nahe gelegenes Dorf, um ein soziales Projekt zu besuchen. Wir hielten eine Camionetta auf der Strasse an und fuhren, wie gewohnt, auf der Ladeflaeche mit. Die ecuadorianischen Jecken hatten allerdings mit Erde Bremshuegel aufgeschuettet und warteten mit Schlaeuchen und Eimern (gefuellt mit Erde und Wasser) darauf, die Menschen auf Ladeflaechen von Camionettas zu beschmutzen. Alaaf!

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Nass und beschmutzt angekommen, redeten wir mit den Jugendlichen des Projekts und beendeten unseren Besuch mit einem Fussballspiel. Nicht ohne Stolz moechte ich noch hinzufuegen, dass die gegnerische Mannschaft mindestens zwei Dinge bei dieser Partie gelernt hat:

  1. Nicht alle Deutschen spielen auf Weltklasseniveau Fussball.
  2. Der Deutsche kann noch so schlecht spielen, wie er will; er kann wohlmöglich sogar ein Eigentor schiessen, seine Mannschaft wird am Ende gewinnen.

Abends ging es in eine kleine Bar in Cotacachi, in der leider auch Karaoke gesungen werden durfte. Durch Zufall landeten wir doch wirklich in einer Bar, in der eine kleine deutsche Flagge hing. Da ist man in ueber 3000 m Hoehe und mitten in den Anden und landet doch tatsaechlich in einer Bar, dessen Wirt zwei Jahre in Mainz gelebt hat und dessen Cousin seit drei Jahren in Frankfurt arbeitet. Selbstverstaendlich waren beide vor Ort und es versteht sich wohl von selbst, dass man unter solchen Umstaenden Freundschaften nicht mehr knuepfen, sondern nur noch besiegeln muss.

Nur ca. 19 km von Cotacachi entfernt befindet sich die Stadt Otavalo. Hier begaben wir uns auf die Suche nach weiterem Karneval und diversen Alpakaprodukten. Alpakawolle wird dem entsprechendem Tier abgeschoren und als Kleidung, besonders fuer Touristen, trocken und kuschelig aufgearbeitet. Im Gegensatz dazu wird zu Karneval in Otavalo mit Spruehdosen, die so ein Schaumzeugs enthalten, auf ahnungslose deutsche Freiwillige losgegangen. Wer sich keine Spruehdose kaufen will, der kann sich auch einfach an sein Fenster setzen und zur richtigen Zeit entweder Wasserbomben werfen, oder einen ganzen Eimer voller Wasser auf die Passanten schuetten. Helau!
Einen rettenden Einfall hatte unser Smalltalkmeister Rodolfo, der sich freundlich plaudernd in die Mitte von vier Nonnen stellte. Gute Idee, da spruehte natuerlich niemand rein…

So sehr man sich als nasser, mit Erdbeerschaum bespruehter Deutscher auch aergern mag, so muss ich doch zugeben, dass ich daran einen riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiesen Spass haette. Ist das nicht ein Kindheitstraum: Den ganzen Tag Leute nass zu spritzen oder gleich ganze Eimer mit Wasser ueber ihnen zu leeren? Was sich da fuer Dimensionen auftun!
Den Hoehepunkt bildeten die von mir so getauften “Partybusse”: Camionettas, auf denen Jugendliche einfach den ganzen Tag durch die Stadt fuhren und aus grossen Containern Wasser schoepften, um Leute nass zu machen. Man Teou!

glg

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