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Moviestar

Es gehoert zu den Dingen des Lebens, dass man nicht weiss, wann einem das Schicksal an die Pforte klopft. Bei mir geschah dies am Dienstag, den 26.4.2011, in der Gestalt von der 26-jaehrigen Rocio. Nun ist Rocio die Art von Frau, bei der man gleich laut “Jaaaaaaaaaaaaaa!” rufen moechte, noch bevor man die Frage gehoert hat, aber trotzdem hoerte ich ihr geduldig zu.

Sie wuerde kurz vor dem Abschluss ihres Studiums stehen und braeuchte bitte unbedingt meine Hilfe.
(???)
Sie und ihre Freunde braeuchten dringend so jemanden wie mich, also einen Weissen und einen Bart haette ich ja auch, das sei alles total super!
(???)
Sie haetten noch eine Woche Zeit, um ihren Abschlussfilm zu drehen, in dem es um einen Gringo geht, der durch Ecuador reist und sich von Ecuadorianern das Land zeigen laesst.
Sie wuerden, wenn ich zusagen wuerde, mit mir an den Strand fahren, lauter lustige touristische Sachen machen und mir natuerlich alles bezahlen: Reise, Essen, Banane fahren, Eintritte zu Naturparks und und und…

Ich reagierte natuerlich wie jeder erfahrene Medienstar:
“Du … mich!?!?!?!”

Aber sie meinte, dass das wirklich ihr Ernst sei und ich bitte bitte zusagen solle. Sie seien eine sehr lustige Truppe und wir haetten bestimmt ganz viel Spass zusammen am Strand!

Ich ueberlegte etwas und sagte … NATUERLICH ZU!!!!

Filmstar werden. Hm, warum eigentlich nicht? Und ein Oscar wuerde sich bestimmt  auch gut neben meinem angestrebten Friedensnobelpreis machen. Ich versprach meiner Gastmutter fuer diesen Fall der Faelle schon einmal 3 neue Kuehlschraenke und meinem Gastvater eine Horde weiblicher Fans, die auch noch am Abend das Haus belagern wuerden.

Haette ich etwas nachgedacht, dann waere mir sicherlich eines schon vorher aufgefallen: Wenn einer Studentengruppe eine Woche vor Abgabetermin ploetzlich auffaellt, dass ihnen der Gringo fuer ihr Abschlussprojekt fehlt, dann wird das bestimmt nicht die Strebergruppe der Universitaet sein. Mit dieser Ueberlegung haette ich aber so was von Recht, denn diese Studenten waren der Spass – und Chaostrupp des Jahrhunderts.

Ich bin also am Freitag um 5:50 aufgestanden, wartete darauf von Rocio abgeholt zu werden und um 7:00 am Terminal zu sein; um 10:15 kamen wir schliesslich dort an. Hier lernte ich dann auch die anderen Studenten kennen, die doch wirklich schon seit 3,5 Stunden warteten!

In Playas stand dann zunaechst eines im Vordergrund: Neue Profilfotos fuer Facebook zu schiessen; immer ein Foto alleine und dann eins mit mir.

Die ersten Filmszenen liefen in etwa folgendermassen ab:

  • “Leander, wir filmen jetzt, frag was!”
  • “Ja was denn?”
  • “Ist egal, irgendwas!”
  • “Wo sind wir denn ueberhaupt?” (Wir fuhren in einem Taxi eine einsame Landstrasse entlang.)
  • “Das kannst du nicht fragen, das haben wir dir ja vorher erklaert!”
  • “Habt ihr nicht. Ich hab keine Ahnung wo wir sind.”
  • “Ach so, das ist der Cerro de Muerto.”
  • “Und warum heisst das hier so.”
  • “Ah, das ist eine gute Frage. Warte, die filmen wir!”

Wenig spaeter wurde das Filmen unterbrochen, weil einem Studenten ein versauter Witz eingefallen war. Der Witz war gut und ich lachte laut und lange. Rocio: ”Schnell filmt das, Leander lacht grade!!”. usw. usw.

Gegen Ende des Besuchs des Naturschutzgebiets mit Voegeln und Delfinen, – wir hattten drei Szenen aufgenommen – ereignete sich dann neben mir folgender Dialog:

  • “Wir muessen dann gleich mal den neuen Akku reinsetzen, der alte ist gleich aufgebraucht.”
  • “Das ist der neue, der ist auch frisch aufgeladen, den alten habe ich gar nicht dabei.”
  • “Aber der hier hat nur noch 4 Minuten Laufzeit.”
  • “Zeig mal her. So ein Mist, das stimmt.”

Darauf sprang ein Delfin um uns herum und schwupps waren die 4 Minuten Akkulaufzeit aufgebraucht.

Waehrend wenig spaeter das fuer mich bestellte Essen (Reis mit frischen Meeresfruechten) auf mich wartete, wurde der Akku dann kurzzeitig geladen.

  • “Und Leander, was sagst du zu dem Essen?”
  • “Das erscheint ja alles ganz lecker, aber ich will wirklich nicht den Kopf vom Krebs essen…”

Stimmung und Lacher waren eindeutig auf unserer Seite und auch das schwimmen im Pazifischen Ozean hob die Stimmung noch weiter.
Immer wieder unterbrochen von einem “Leander, una foto…” ging dann leider irgendwann auch der erste Drehtag zu Ende …

Ich sage D A N K E ! ! fuer einen der lustigsten Tage, die ich bisher in Ecuador erleben durfte.
Falls irgendjemand einmal diesen “Film” sehen sollte: Bitte verzeiht mir! Jede Szene wurde nur einmal gedreht und ich wusste meistens auch gar nicht, ob die Kamera wirklich lief oder mich einfach jemand mal eben reinlegen wollte…
Und wenn sich mein Part weiterhin nur darauf beschraenken wird, nach einer Aktivitaet lobende Worte zu sagen, dann fuehle ich mich fuer die folgende Drehzeit in Guayaquil gut gewappnet.

glg

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