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Hohe Konzentration. Und Knoedel!

Nachdem ich am 31.7. nach 22stuendiger Reise (Regensburg-Frankfurt-Bogota-Guayaquil) puenktlich in Guayaquil gelandet war und mein gefuehlte 100 kg wiegendes Gepaeck sowie meine drei Instrumente (zwei Geigen und eine Querfloete) heimlich aber sicher und heil durch den Zoll gebracht hatte, wurde ich von Annika aus Hamburg und Rodolfo aus Guasmo herzlich empfangen und auf der Ladeflaeche eines Lieferwagens in meine Gastfamilie gebracht.

Am naechtsen Tag trafen wir Musiker uns erstmal allein in Mi Cometa, dem Gebaeude der Musikschule, um unsere ersten Eindruecke zu teilen und um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Amschliessend versuchte ich mit Inga aus den Geigenruinen vor Ort und den mitgebrachten Geigen ein paar spielbare Geigen zusammenzubasteln.

Abends kamen dann alle Schueler zur Unterrichtseinteilung. Da es bisher noch keine Geigenlehrer hier gab und wir deshalb davon ausgingen, dass maximal drei Leute am Geigenunterricht interessiert sind (ich ahnte schon schreckliches und versuchte mich an den Gedanken zu gewoehnen, evtl Klavier unterrichten zu muessen…uaaaaah), beschlossen Inga und ich, ein Duo zu spielen, um das Interesse zu wecken. Da wir die vom Flug und Klima verstoerten Geigen erstmal minutenlang stimmen mussten, war ich mir schon sicher, dass jetzt endgueltig keiner mehr Geige spielen wollen wuerde. Doch siehe da: Auf die Frage hin, wer den Geige lernen wollte, schossen die Arme nur so in die Hoehe, so dass wir tatsaechlich nun 10 Geigenschueler haben, die wir unter uns aufgeteilt haben. Da fuenf Wochen ja fuer Geige wirklich nicht viel sind (ich sah mich schon leere Saiten rauf und runter geigen, 5 Wochen lang), unterrichten wir alle Geigenschueler jeden Tag und zusaetzlich gibt es noch eine Gruppenstunde, die ich mit Inga zusammen leite, so dass im Idealfall, also wenn alle Schueler immer kommen, jeder 2x taeglich ca 2 Stunden Geige spielt.

 

Nachdem alle, die schonmal hier waren, meinten, die Schueler kaemen oft nicht oder eine halbe Stunde zu spaet zum Unterricht, stellte ich mich auf einen chaotischen , aber doch entspannten ersten Unterrichtstag  am Dienstag ein. Als ich dann am naechsten Tag gegen 14.30Uhr puenktlich eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn in die Musikschule kam, um meinen Unterricht vorzubereiten und mich etwas einzuspielen, hatte ich gerade mal Zeit, die Geigen zu stimmen , als schon mein erster Schueler erwartungsvoll in der Tuer stand, viel zu frueh. Ich nutzte seine Motivation und begann gleich mit dem Unterricht. Die Noten liess ich im Buero…in so einer ersten Geigenstunde lernt man ja erstmal Haltung und leere Saiten streichen…von wegen! Nach einer Viertelstunde hatte er das alles umgesetzt und mir kippte die Kinnlade runter.

Es ist unglaublich, wie schnell die Schueler hier lernen. Bei vielen konnte ich nach einer Stunde schon die Finger der linken Hand dazunehmen.  Es ist wirklich bemerkenswert, wie motiviert hier alle sind und wie sie das neu erlernte auf Anhieb umsetzen und verinnerlichen koennen.  Selten muss ich etwas zweimal erklaeren.

Als ich vor meiner Abreise die Violinhefte fuer Fortgeschrittene in der Hand hielt, lachte ich ueber mich selbst, dass ich daran dachte, diese Hefte mitzunehmen…fuer 5 Wochen!!!…Tja…meine Anfaenger-Hefte habe ich schon zur Haelfte durch und es ist gerade mal eine Woche rum.

Aussergewoehnlich ist auch, mit welcher Ausdauer die Schueler am Unterricht teilnehmen. Die Konzentration eine Stunde lang oder teilweise sogar laenger zu bewahren ist offensichtlich ueberhaupt kein problem – selbst fuer die Kleinen.  Wenn ich vorschlage, eine Pause zu machen,  bekomme ich als Antwort oft ein:”ja, ok, wenn du meinst…” oder von den kleinen: “neeeeeeein, weiter, keine Pause, bitte!” Das ist unglaublich schoen und macht Spass! Am Freitag hatte ich ein Stuendchen Zeit, weil ein Schueler nicht kommen konnte.  Die Zeit hab ich -angesteckt von der Motivation meiner Schueler- genutzt, um mal wieder fuer mich selbst zu spielen…schon lange hatte ich nicht mehr so viel Spass beim Spielen. Da alle Raeume besetzt waren, stand ich mit meiner Geige ich im Eingangsbereich von Mi Cometa, wo immer wieder Leute vorbei kamen. Ein kleiner Junge kam vorbei und heftete sich mit Augen und Ohren an mein Spiel und vergass darueber Zeit und Raum und kam dann viel zu spaet zu seinem Unterricht.

Am Samstag haben wir Deutschen  fuer die Gastfamilien gekocht und sie zur Comida Alemana in Mi Cometa eingeladen. Es gab Salat, Knoedel mit Pilz-Speck-Ragout und als Nachtisch Kuchen und Vanillepudding mit Brombeeren.

Somit war der ganze Samstag fuer`s Kochen reserviert. Wir teilten uns in drei Gruppen auf: die Salat-  und Knoedelgruppe, die Pudding- Brombeer-Gruppe und die Kuchengruppe.

Conny, Inga, Katja und ich waren die Knoedel und versetzten die Kueche meiner Gastfamilie in totals Knoedelchaos. Kleine Pannen wie gefrorene Milch und nicht vorhandene Messbecher erschwerten die Arbeit, aber wir hatten sehr viel Spass und am Ende tatsaechlich Knoedel fuer 70 Leute!

Nachdem wir ein paar a-capella-Chorstuecke gesungen hatten servierten wir das Essen. Den Familien hat`s geschmeckt und am Ende wurden tausende Fotos gemacht.

Danach lud meine Gastfamilie uns zu sich ein und es wurde Salsa getanzt – bis in den Morgen hinein.