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11.09.2011

Nach fünf Wochen Projektphase und drei aufwaendigen Abschlusskonzerten sitze ich mal wieder in unserem Wohnzimmer mit dem Laptop meines Gastbruders. Es ist nachts, elf Uhr, und es ist gut, dass ich schon im Haus bin, da draussen vor einer Stunde mehrere Schuesse gefallen sind. Zuvor war ich in der Musikschule ein wenig ueben und dann noch bei einem Freund im Internet – endlich um wenigstens ein paar Nachrichten zu stoebern. Leider ist es immer zu langsam und ich sitze eine Stunde, ohne dass sich die Seiten oeffnen.

Nachdem wir die letzten Tage nach den Konzerten  einige wichtige Reuniones hatten, um musikschulinterne Strukturen zu besprechen und Verbesserungen zu diskutieren, sind mein Gastbruder und ich spontan nach Montanita fuer einen Kurzurlaub abgehauen. Herrlich. Die Grossartigkeit unserer Idee wurde am Morgen vor der Abreise noch einmal bestaetigt, als ich mit Boxershorts und Top in die Kueche zum Hinterhof (Dusche u.a.) lief und sah, dass unsere Kueche umgebaut wird – und zwar jetzt. Schnell warf ich mir ein Handtuch ueber, begrüßte mit zerzaustem Haar den schon etwas verschwitzten und staubigen Onkel, der die ganzen Umbauarbeiten uebernehmen wird, und verzog mich schnell ins Bad.

Seit den fruehen Morgenstunden muss schon geraeumt worden sein, denn alle Kuechenutensilien wurden beiseite geraeumt und bedeckten nun unseren Esstisch und den Boden. Ich bin schon sehr gespannt auf das Endergebnis! Laerm, Dreck und Chaos …  Gut also, dass wir gerade auf dem Sprung waren. ;-)

Vor der Abreise gab’s noch eine Ensebollada zum Fruehstuek. Fischsuppe – und zwar so ziemlich die leckerste, die es hier gibt. Neben Ceviche und einigen anderen Sachen natuerlich – ach, also die ecuadorianische Kueche ist hervorragend, falls ich es noch nicht erwaehnt haben sollte.

Die Reise hierher dauert 3-4 Stunden mit dem Bus, aber fuer ecuadorianische Verhaeltnisse keine grosse Sache. Mensch, wenn ich da an die Momente denke, wo fuer Treffen in Deutschland diskutiert wird, ob die halbe Stunde Reisezeit nicht zu viel ist und man das Treffen lieber verschiebt… ich bin auch von dieser immer wieder imposanten Demonstration von Geduld zutiefst beeindruckt. (Ich erinnere mich an die kleine Oma von Luigi die mal eben 5-6 Stunden alleine mit dem Bus faehrt um einen Tag ihren Sohn zu besuchen…tzia)

Montanitas ist super, um einfach mal ein bisschen rauszukommen. Strand, leckere, frisch gepresste Ananas- maracuja- u.a. saefte, selbst gemachte Schmuck und andere Hippieartikel stoebern, lecker essen, Eis schlecken, schwimmen, tanzen,  lesen, nichts tun, Seele baumeln lassen und die letzten Wochen zumindest mal ein bisschen sacken lassen. Kurz, aber fein.

Und man glaube es kaum – heute kamen wir zurück und die Kuechenzeile ist schon gegossen und die Kuhle fuer das Abflussrohr steht auch zur Haelfte. (Das Abwasser wurde bis jetzt immer irgendwie über den Hinterhof durch ein Loch in der Wand geschickt. Jetzt laeuft es per Rohrsystem direkt in das Abwassersystem).

Morgen geht es mit einigen wichtigen Entscheidungen, Planungen und Vorbereitungen weiter und ab Mittwoch beginnt der Unterricht von Neuem. Ich plane neben Gesangsunterrichten Gruppenstunden zu Theorie, Chor, Gesangsuebungen, etwas Basistheorie etc., weiter gibt’s Atemuebungen fuer Saenger und Blaeser und ansonsten Aushilfe in den Instrumenten, für die es momentan keine Lehrer gibt.