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Das war’s! Abschiedsschmerz und Open-Air-Konzert!

Man soll ja bekanntlich gehen, wenn’s am schönsten ist.

Ich bin wieder zurück in Deutschland, der Alltag holt mich langsam wieder ein und die Zeit im Guasmo erscheint mir fast wie ein Traum. Ecuador ist einfach erschreckend weit weg!

In den letzten zwei Wochen habe ich mit den Koordinatoren noch die Familien einiger Musikschüler besucht. Wir haben das Projekt Clave de Sur und Musiker ohne Grenzen vorgestellt und nachgefragt, welche Familien sich bereit erklären würden, einen der Freiwilligen, die im Sommer kommen werden, bei sich aufzunehmen.  Einige sagten sofort zu, andere wollten sich noch familienintern beraten. Wir ließen einen Zettel mit Informationen da und einen Fragebogen über die Anzahl der Familienmitglieder, Haustiere und ähnliches und holten diese eine Woche später wieder ab. Die Gastfamilien freuen sich schon auf die Musiker ohne Grenzen und sind jetzt schon ein bisschen aufgeregt, fragen nach Fotos ihrer potenziellen Gastgeschwister/ -kinder und versuchen „Bestellungen“ aufzugeben wie: „Ich hätte gern ’nen Gitarristen!“ oder „Ich möchte eine, die Schokokuchen backen kann!“ usw.

(Lieber MoG-Vorstand, in Zukunft also bitte die Freiwilligen nach ihren kulinarischen Fähigkeiten auswählen! :) Hauptsache Schokokuchen!)

Am 8.4. war das open-Air-Konzert auf dem Malecon. Für Regen hatten wir vorsichtshalber noch die Lobby des Museums im MAAC reserviert, aber an diesem Ostersonntag zeigte sich die Sonne von ihrer strahlendsten Seite!

Auf dem Weg erzählten wir den Leuten auf der Straße vom Konzert und alle freuten sich über diese spontane Einladung.

Als wir ankamen, wies uns eine Gruppe von HipHopern von einer gemeinnützigen Kulturorganisation darauf hin, dass sie normalerweise Sonntags an diesem Ort Tanzen und Rappen, dass sie die Genehmigung dafür hätten und immer viele Leute extra deswegen kämen. Offensichtlich wurde der Platz quasi doppelt reserviert, was für allseitige Verwirrung sorgte. Kurzerhand beschlossen wir alle – nach dem Motto: wir machen doch eh alle Kultur -, einfach zu kooperieren und die zwei Veranstaltungen zu verbinden. Und so wechselten sich zarte Geigen- und Flötenklänge mit lauten HipHop-Beats ab. Ein interessantes Experiment! Einige vom Clave de Sur unterstützten die Rapper spontan mit Schlagzeug und E-Bass. Jedenfalls hatten wir viel Publikum und konnten die Breakdance-Künste der chicos bewundern.  Und einige aus dem Publikum nahmen Kontakt mit den Koordinatoren auf, um selbst ein Instrument im Clave de Sur zu lernen. Eine schöne Resonanz!

Die ungewohnte Konzertsituation open air, ohne Rückzugsmöglichkeit und mit viel mehr Zuschauern als sonst, bewirkte bei einigen heftiges Lampenfieber. Und so waren am Ende alle, Lehrer wie Schüler, stolz, das Konzert gemeistert zu haben. Nach dem Konzert mussten wir noch auf die Camionetta, den Transporter, warten und währenddessen fanden sich kleine Grüppchen von Musikschülern zusammen, schnappten sich Gitarren und spielten, sangen und improvisierten am Fuße von Las Peñas, dem Hügel mit seinen bunten Häuschen, während die Sonne unterging. Kitschig-schön, wie aus dem Bilderbuch!

In den letzten zwei Wochen habe ich dann noch fast täglich Theorie- und Gehörbildungs-Workshops zu verschiedenen Themen angeboten. Natürlich sind zwei Wochen reichlich kurz, um sich an den Klang von Intervallen und Dur- und Moll-Dreiklängen zu gewöhnen und ich hätte liebend gern noch monatelang so weiter unterrichtet! Diese Gruppenworkshops und -Übungen haben Spaß gemacht und viele haben in der kurzen Zeit noch sehr viel gelernt. Ich hoffe, dass der eine oder andere vielleicht ein bisschen weiter übt, die Theorie mit der Praxis zu verknüpfen!

Wieder einmal ist es mir schwer gefallen, zu gehen. Ich habe heimlich gehofft, dass der Flug gestrichen wird, aber das war nicht der Fall und so bin ich dann heil im viel zu kalten Deutschland angekommen. Zum Glück scheint die Sonne und der Frühling ist da! Ein kleiner Trost!

Danke MoG, gracias Clave de Sur! Es war wieder einmal eine tolle Zeit und ich hoffe, dass ich bald zurückkommen kann!