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6. August 2012

Es ist immer noch kein Alltag eingekehrt. Am Mittwoch hat der Musikunterricht begonnen und von den Schülern, die sich für die Gitarrenstunde bei mir angemeldet haben, sind gar keine Leute gekommen. Dafür aber viele andere. Ich hatte eine große Gruppe mit 9 Schülern und eine Gitarrenstunde mit einem gehörlosen Jungen, was für mich sehr beeindruckend war. Er hat so schnell gelernt und sich alles sofort gemerkt. Er kann zwar keine Töne hören, aber er kann die Vibrationen der Saiten spüren. Er spürt die Musik.

Am Donnerstag und Freitag war auch einiges los. Oft erscheinen Schüler einfach nicht, dafür kommen aber andere vorbeigeschneit und wollen „Musik lernen“. Die Menschen hier kennen einfach keine festen Termine in der Woche, zu denen man auch pünktlich erscheinen muss. Hier kommt und geht man wohin und wann man will. Uns Deutschen tut das sehr gut, weil das Leben hier einfach viel entspannter ist und man dann einfach mal ne halbe oder auch ganze Stunde auf den anderen wartet, aber in unserer „Musikschule“ ist das ein bisschen schwierig. Man kann sich nicht gut vorbereiten und muss immer spontan sein. Es kann halt einfach mal passieren, dass nicht genügend Gitarren oder Pianos oder Akkordeons da sind. Aber dann lassen wir uns einfach etwas anderes einfallen. Für mich ist das alles noch super anstrengend, weil ich noch nie unterrichtet habe, dann auch noch auf Spanisch und dann auch noch mit einer guten Portion Spontanität.

Manchmal kommt man von einer Musikstunde und ist ziemlich deprimiert, weil viele der Schüler zu uns kommen und nach der ersten Stunde schon das Instrument beherrschen wollen. Deshalb spürt man manchmal ein bisschen Enttäuschung. Aber oft beendet man auch eine Stunde und ist total euphorisch, weil man das Leuchten in den Augen der Schüler gesehen hat.

Im Großen und Ganzen macht es schon ziemlich viel Spaß, aber ich freue mich auch schon darauf, wenn ein bisschen Normalität einkehrt und man seine festen Stunden hat.

Mittags geht man immer nach Hause, isst dort, holt noch einmal Luft und dann geht’s wieder zum Kulturzentrum (übrigens ein super toller Ort zum Unterrichten).

Die Leute hier in Playas sind ganz aufgeregt, dass wir da sind. Es kommt jeden Tag ein Bericht im lokalen Fernsehen und Radio, weswegen wir auch immer mehr Schüler bekommen. Wir mussten sogar schon eine Warteliste errichten, weil wir im Moment einfach keinen Platz mehr in unseren Stundenplänen haben.

Sonst sind wir MoGs viel am Strand, werden irgendwohin eingeladen, wo wir uns vorstellen sollen oder wir sind auf einer Fiesta und tanzen Salsa. Mich hat’s nur leider erwischt. Habe eine Magenverstimmung. Keine Ahnung, warum. Wahrscheinlich kommt alles zusammen. Das Wasser, mit dem man sich die Zähne putzt, das Essen, das Meerwasser und die Aufregung. Meine Gastfamilie macht sich ganz dolle Sorgen, obwohl ich schon ganz oft gesagt hab, dass das doch normal ist, wenn der Magen sowas noch nicht gewöhnt ist. Naja, heute Morgen habe ich nur trockene Kekse und einen Tee bekommen und habe ganz viel geschlafen und jetzt ist es schon etwas besser.

Mein Gastbruder will unbedingt, dass ich aufhöre zu tippen und mit ihm spiele. Also werde ich ihm jetzt auch mal den Gefallen tun.

Bis bald, ihr Lieben.

Das ganze Tagebuch von Julia gibt es hier.