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Abschied

So. Das hier ist dann wohl meine letzte Woche hier im Guasmo. Komisches Gefühl, irgendwie kann ich mir nicht richtig klar machen das ich ernsthaft nächsten Dienstag wieder in Deutschland sein werde..
Das sich meine Zeit hier dem Ende zuneigt, merke ich nicht nur daran, dass wir zwei Deutschen, die noch hier sind, gern mal die „Überlebenden“, die „Übrigen“ oder auch einfach „las unicas“ (=die einzigen), genannt werden, oder daran, dass ich wenn ich mal still bin gefragt werde: “Ohhhh, bist du melancholisch weil du bald gehst??“, sondern auch einfach daran, dass mich manche Dinge an meine „Anfangszeit“ hier erinnern:

Einerseits ist der Winter vorbei, der Sommer zieht wieder ein. Gott sei Dank! Denn: Endlich haben sich die Mücken wieder soweit zurückgezogen das ich das eklig stinkende Mückenspray wieder wegpacken kann (die Eccis nennen den Gestank auch bisweilen liebenswert den „Deutschengeruch“). Und: Es ist nicht mehr furchtbar heiß und stickig gemischt mit sintflutartigen Regenfällen, stattdessen hat es abends/nachts „eisige“ um die 20° Grad, sodass ich wieder meinen Pulli aus der untersten Schublade hervorkramen muss.
Und abgesehen davon, dass das Wetter den Kreis schließt, sind nun auch die langen (2-3 Monate!) Ferien vorbei, der Schul- und Unialltag ist wieder eingekehrt wie eben in den ersten Monaten. Damit sind momentan die überfüllte Musikschule mit Musik, die aus jedem Raum dringt und Chaos und Gelächter an jeder Ecke, fürs erste Geschichte. Es ist ruhig in Clave de Sur, nur ein harter Kern an Musikschulleuten hängt rum und übt oder chillt. Das aber nur bis zur nächsten aktiven Phase, bis der Alltag sich wieder genug eingependelt hat, und es alle wieder in die „Clave de Sur“ zurückzieht.

Dann aber werde ich nicht mehr hier sein, bin ich wieder im guten alten Deutschland ;-) .  Und das ist einerseits ein richtig toller Gedanke, aber andererseits auch furchtbar traurig, insgesamt eben furchtbar verwirrend und unwirklich… Ich sage also „Adios!“ zu meiner zweiten Familie, den neuen Freunden, der Musikschule, dem Guasmo, dem Müllautolied (das Müllauto kündigt sich hier mit dem immergleichen Lied an, damit die Leute schnell genug mit ihren Mülltüten auf die Straße rennen), den überfüllten,dreckigen Bussen mit lauter Musik und Verkäufern, die alles von Raubkopien, Kaugummis und Süßigkeiten bis zu Allheilmittel verkaufen und „Gracias“! für tausend Lieder und Erinnerungen und Momente.

Und ich bin glücklich und traurig und blicke zurück auf unglaublich ereignisreiche, verrückte und krasse 10 Monate!
(Und dieser Bericht ist wohl wirklich etwas melancholisch ;-) )