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Ankunft in Ecuador

Hola amigas! Ich bin angekommen und es ist an der Zeit mal ein Lebenszeichen von mir zu geben. Seit noch nicht einmal einer Woche bin ich im schönen, weit entfernten Ecuador und habe den Kulturschock schon fast überwunden! Es fühlt sich auch an als wäre ich schon viiiel länger hier. Es passiert jeden Tag so viel, dass man sich das alles gar nicht mehr merken kann. Man könnte schon sagen, die Ecuadorianer sind ziemlich „loco“ (verrückt).

Nun zum Anfang. Als ich mit noch vier anderen deutschen Freiwilligen in Amsterdam im Flieger saß, hatten wir eine Stunde Verspätung, weil Koffer gefehlt haben. Nach der Durchsage „Die Koffer sind leider immer noch nicht aufgetaucht, aber wir fliegen jetzt trotzdem los“, haben wir schadenfreudig über die anderen hergezogen und die ausgelacht, deren Koffer fehlen können. Die Strafe dafür war wahrscheinlich, dass wir selbst davon betroffen waren und in Guayaquil plötzlich ohne Koffer dastanden. Auf der Fahrt in den Guasmo ist mir dann, mit meinen schläfrigen Augen noch aufgefallen, dass Guayaquil ziemlich groß ist und die Autos hier fahren wie die bekloppten. Egal, was ich bisher in anderen Ländern an Fahrweisen kennengelernt habe, hier ist es schlimmer. Da wird eine schon vier spurige Spur schnell mal sieben-spurig gemacht und wenn man das Bedürfnis hat, mal wieder eine Hupe zu hören, sollte man einfach auf die Straße gehen. Hier wird immer gehupt. Beim Überholen, Grüßen, statt zu Blinken, beim Vorfahrt missachten, damit die anderen darauf vorbereitet sind, um zu zeigen, dass man der Chef ist und bestimmt auch manchmal einfach, weil lange nicht gehupt wurde. Naja, als wir dann im Guasmo angekommen sind, haben wir uns alle erstmal im Raum der Musikschule versammelt. Den Zustand „Müde sein“ leben die Eccis hier denke ich etwas anders, also wurden wir trotz enormer Müdigkeit auf unsere erste Party und das erste Cerverza (schmeckt hier leider nicht so gut) eingeladen. Ich muss ehrlich zugeben, ich brauchte sehr viel Geduld und Zeit um mich an die Umstände hier zu gewöhnen, wurde aber auch in der ersten Nacht gut abgehärtet. Weil ich am Mittwochabend nicht mehr nach Playas kam, habe ich zwei Nächte im Guasmo verbracht. Untergebracht war ich bei Roberts Gastfamilie, die allerdings am nächsten Tag umgezogen ist und somit war weder Platz im Haus, noch konnte man irgendwie erkennen wo der Fußboden ist. Das war aber kein Problem, wir wurden sofort bekocht und aßen dann irgendwo zwischen den fünf Hunden und zwei Babystraßenkatzen draußen. Hier wird es übrigens nicht akzeptiert wenn man mal kein Hunger hat, höchstens bekommt man dann noch einen extra Löffel Reis, weil man ja etwas essen muss!

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Dass ich übrigens überhaupt gar kein Wort verstanden habe, war gar nicht schlimm. Im selben Haus waren gerade Amerikaner, die fließend Spanisch sprachen und mir somit alles übersetzt haben. Roberts Gastbruder ‚Hosse Louis’ war selber dort in Amerika und hat mir deshalb die ersten wichtigsten Vokabeln beigebracht. Allerdings ist es wirklich sehr anstrengend, den ganzen Tag Spanisch zu hören und sich auf die Wörter zu konzentrieren, die man kennt. (In meinem Fall waren das leider nur Wörter wie und, aber, morgen oder hier)

Nunja, die erste Nacht gut überstanden, halfen wir beim Umzug (das neue Haus sah wirklich sehr schön aus) und machten uns dann wieder auf die Suche nach unseren Koffern, die wir dann glücklicherweise nach einigen Diskussionen am Flughafen endlich bekamen- schön ist es nicht, nicht einmal neue Klamotten anziehen zu können.

Wir können allerdings von Glück reden, dass uns diese Koffer erhalten blieben. Denn was war für die Bandenmitglieder im Guasmo attraktiver, als eine Gruppe von weißen jungen Menschen, auf der Ladefläche eines Pick-ups? Zum Glück hatten wir ganz viele Autofahrer, die uns vor den Dieben gewarnt haben und einen Ecuadorianer an Bord, der sie alle verscheucht hat. Der hatte übrigens sichtlich Spaß bei dem Abenteuer, da er seit einiger Zeit in Deutschland lebt und es dort, seiner Ansicht nach seeeeehr langweilig ist, was Kriminalität angeht. Nach einer kleinen Party für die Hauseinweihung und einer Art „Abschied“ für mich, verbrachten wir eine erste Nacht im neuen Haus und am Freitag ging es für mich eeeeendlich in mein zu Hause für die nächsten acht Monate- nach PLAYAS. Super schöne Stadt und doch noch einmal eine Ecke anders als in Guayaquil. Die Menschen in Ecuador haben eine komplett andere Einstellung als man es in Deutschland gewöhnt ist. Sie haben nicht viel, aber es reicht zum Leben. Sie scheinen auch komplett andere Prioritäten zu setzen. In den Barrios in denen wir uns aufhalten habe ich noch kein fertiges, zu Ende gestelltes Haus gesehen, kaum Wände sind verputzt, geduscht wird oft aus Eimern, aber Hauptsache ist doch, dass der Fernseher angeschlossen ist, den ganzen Tag läuft & meistens noch der Laptop oder das Radio nebenbei läuft. Super spannend alles hier.

Gestern und heute waren die Einschreibungen für den Musikunterricht im casa intercultural und ich bin schon total gespannt, wie es wird, endlich zu unterrichten. Wenn alles klappt und alle kommen, beginnt morgen die erste Flötengruppe, die ich mit der Anne zusammen leiten werde und der erste Gesangsunterricht. Allerdings wird gesagt, die Eccis können nicht so viel mit Stundenplänen und Terminen anfangen, woran ich mich immoment noch sehr gewöhnen muss. (Alle sagen hier Vamos/ gehen wir und nach zwanzig Minuten hat sich immer noch niemand vom Fleck bewegt!) Also bin ich schon total aufgeregt und weiß noch gar nicht so recht wie alles ablaufen wird.

Die freie Zeit, die wir nicht im centro oder casa verbringen kann man übrigens auch super nutzen. Die letzen zwei Tage waren wir bei einem Surf-Contest in Engabao zu schauen. Das ist total witzig, normalerweise laufen hier überall freche Straßenhunde rum, in Engabao allerdings gibt es nur Straßenschweine!! Ein Sprichtwort sagt, dass es dort mehr Schweine, als Menschen gibt. Dann waren wir noch in einer Bar Salsa tanzen, das ist auf Dauer wirklich ziemlich anstrengend, vor allem, weil die Ecuadorianer sooo viel Energie haben und einfach nie nach Hause gehen. Immoment sind in Playas ganz viele Fiestas, weil Playas bald Geburtstag hat und seine Unabghängigkeit feiert.

Die restliche Zeit verbringen wir in unseren Gastfamilien. Ich hab eine 21 jährige Gastschwester Karen, die mir immer mit Mühe und Not probiert Spanisch bei zubringen. Das habe ich ja noch gar nicht erwähnt, hier in Playas kann übrigens niemand Englisch und somit sitze ich immer am Essenstisch, bin die blöde Deutsche, die weder was versteht, noch richtig essen kann. (Die essen ALLES mit Löffel, wie schneidet man denn bitte sein Fleisch, mit dem Löffel?!) Naja, das sorgt immerhin für etwas Gelächter am Tisch und den nötigen Selbsthumor dazu besitze ich Gott sei Dank auch.

Ich freue mich, gleich endlich in meinen Schlafsack krabbeln zu dürfen und laaange schlafen zu können, denn die letzte Salsa-Nacht war etwas kurz. Aber morgen muss ja wieder gearbeitet werden! Ich verabschiede mich mit meinem eher schlechten als rechten Spanisch.

Buenos noches amigos!