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Langsam nimmt es Formen an

Zurzeit sitze ich auf der Veranda meines kleinen abgeschlossenen Häuschens im „Barrio Guayaquil“ und warte in der prallen Mittagssonne vergeblich darauf, dass jemand in den nächsten zwei Stunden vorbei kommt und mir aufschließt. Überall läuft Musik in den Häusern und man hört 1000 verschiedene Geräusche, bestehend aus dem krähenden Hahn, dem Obstverkäufer, der durch die Straßen fährt, den kleinen Kindern in ihren Schuluniformen, auf die zu Hause schon das Mittagessen wartet, irgendwelchen Baumaßnahmen (die allerdings schon mehr als nötig sind), lauten Autos oder kläffenden Hunden. Es ist ein schöner Tag & die Tage hier nehmen so ihren Lauf.

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Man wacht morgens, bedingt durch die Lautstärke, unter dem Moskitonetz auf. Es fühlt sich ein bisschen so an wie ein gemütliches Zelt. Die ersten Sonnenstrahlen fallen durch den Spalt zwischen Betonwand und Wellblechdach in das Zimmer und wenn man morgens mal wieder nicht unterrichten kann, weil glücklicherweise viele zur Arbeit und zur Schule gehen, macht man sich langsam fertig, um sich mit Freunden zu treffen, oder im Cyber mal wieder Kontakt zur Außenwelt zu haben, um Unterricht vorzubereiten oder um einfach mal am Strand joggen oder surfen zu gehen.

Den Tipp, dass ich eher abends duschen soll, weil sich dann das Wasser in den Regentonnen und in der Wasserleitung unter der Straße am Tag erwärmt, vergesse ich übrigens jeden Tag aufs Neue.

Dann kommt man Mittags nach Hause, vorausgesetzt man sitzt nicht die ganze Zeit vor der Tür… isst mal wieder ein wenig Reis mit Fisch oder Fleisch (hier eher sehr viel Fisch, da Playas eine Fischerstadt ist) und verbringt dann Zeit mit der Familie, die hier meistens vor dem Fernseher verbracht wird. Ich habe wirklich noch nie so schlechtes Fernsehprogramm gesehen – obwohl ich kein Wort verstehe ist dieses Programm hier wirklich lächerlich und nervig. Wenn mal Nachrichten geguckt werden, dann auch nur welche, wo alles verscherzt wird. Gott sei Dank betreibt meine Mami einen (Raubkopie-) CD & DVD Laden, so wird das ein oder andere Mal doch ein guter Film eingelegt ;)

Ab drei ist man dann im „Centro Intercultural“ und verbringt die Zeit bis abends mit dem Unterrichten oder verzweifelt das ein oder andere Mal an der Mentalität der Ecuadorianer. Das heißt zum Beispiel, dass viele hier mit Terminen überhaupt nichts anfangen können, sie kommen 50 Minuten (bei einer Stunde Unterrichtszeit) später oder gar nicht, tauchen an einem anderen Tag auf oder wissen gar nicht mehr, welcher Tag heute ist.

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Terminplanung läuft hier wie man merkt leider etwas schief und trotz mangelnder Planung und Sprachkenntnisse bekommt man irgendwie, irgendwas zu Stande und es macht echt richtig Spaß. Ein ganz ganz ganz großes Durcheinander ist eigentlich nur unsere Blockflötengruppe, wo laufend neue Kinder dazukommen und die Flöten leider nicht ausreichen. Wir arbeiten auf das Abschlusskonzert der Projektphase am 1. September hin. Da bin ich allerdings auch noch gaaanz arg gespannt drauf.

Ansonsten erlebt man hier nebenbei auch noch ziemlich viel: Vor zwei Wochen wurde am Wochenende die „Reina von Playas“ gewählt, also wurde das schönste Mädchen gekürt. (Meine Gastschwester war 2008-2009 auch Reina von Playas). Ein riesen Aufriss, eine riesen Show, hier wird wirklich für so überflüssige Dinge Geld ausgegeben…

Am nächsten Tag war ich mit meiner Familie auf einer Hochzeit eingeladen und weil uns die Freiwilligen aus dem Guasmo besucht hatten (für das Eddie Santiago Konzert, das am gleichen Abend stattfand), haben wir den Tag am Strand auf sie gewartet.

Dann kam die ganze Familie von uns aus Guayaquil zu Besuch und bedingt durch eine Verspätung von lockeren zwei Stunden, haben wir die Kirche leider verpasst und sind direkt zur Feier gefahren. Ziemlich lustig, dass in Deutschland bei Feiern immer das feinste Besteck und die beste Deko rausgesucht wird und hier kann eine lustige Hochzeit auch mit Plastikstühlen & Besteck gefeiert werden. Während meine restliche Gastfamilie an meinem Gastgeschenk, dem Jägermeister, Gefallen gefunden hatte, versuchten mir meine zwei Schwestern vergeblich tanzen beizubringen. Ich muss ausgesehen haben wie ein Stock, zwischen 50 Ecuadorianern, die sich -warum auch immer- bewegen können wie Schlangen.

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Oh, und dann sollte ich besser auf meine Kamera aufpassen, ein Couisin hatte sie in der Hand, war mit der deutschen Sprache etwas überfordert und schwupps- da waren alle meine Dateien gelöscht.

Der nächste Tag wurde noch mal mit der ganzen Familie verbracht und am Strand, die Leute aus dem Guasmo verließen uns wieder und die Woche nahm ihren Lauf. Allerdings keinen normalen nur mit Unterricht gefüllten. Dienstag war ein riesengroßes Desfile, wo ganz viele Gruppen, Vereine, etc. von Playas rumgelaufen sind und wir als „Musicus sin Fronteras“ ganz vertreten mit dabei!

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Donnerstag, am 15. August, war dann der große Unabhängigkeitsfeiertag, mit einer großen Veranstaltung im Casa Intercultural, mit ganz vielen Reden und dem Bürgermeister. (Wieder etwas total unnötiges, aber anscheinend wichtiges: Für den Besuch des Bürgermeisters wurde die ganze Straße blau-weiß gestrichen, selbst Häuser und Palmen.)

Das folgende Wochenende haben wir in Montanita verbracht. Ich muss sagen, die Infrastruktur ist hier vielleicht nicht die beste, das heißt die Reisen hier sind wirklich sehr spontan und lustig. So saßen wir also mit 12 Leuten auf einem Pick-up und danach in einem Bus für neun. Aber wir kamen an. Montanita war ziemlich cool, aber irgendwie hat es gar nicht mehr so den besonderen lateinamerikanischen Reiz, es ist eher so der Ballermann von Ecuador. Absolutes Highlight war der spontane Ausflug am nächsten Morgen mit Anne und Alicja. Während alle anderen in den Tag hinein schliefen, machten wir uns auf den Weg in den Regenwald, um dort zu einem kleinen Wasserfall und Schwimmbecken zu R E I T E N.

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Sicherheit ist hier vielleicht nicht grad großgeschrieben, also – Mama entschuldige mich- gallopierten wir auf einem Holzsattel ohne Helm zu einem Wasserfall auf den wir natürlich ohne Sicherung kletterten. Der Holzsattel hat das ganze vielleicht nicht unbedingt zu dem Comfort- Erlebnis schlechthin gemacht, aber wir waren alle super glücklich.

Jetzt hat der Unterricht in der Woche wieder begonnen und alles geht voran. Mittlerweile ist es übrigens Abends und neben mir liegt meine kleine Cousine, die zu meiner deutschen Philipp Poisel – Musik eingeschlafen ist. Ich werde mich jetzt auf den Weg in den Skatepark machen, um mich mit den anderen zu treffen und hoffentlich eine Show von Tomate und Pandilla sehen kann. (Ein guter Skater und drittbester BMX-Fahrer Lateinamerikas)

HASTA LUEGO :)

P.S.: Endlich habe ich Schnitzel für meine Familie gemacht!

1 Kommentar

  1. Hallo Jana, hört sich (bekannt) gut an! Viel Erfolg und unvergessliche Momente wünschen wir Dir während Deiner Zeit im Projekt.
    Markus und Brigitte Eser
    (Eltern von Lena )

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