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Eine Woche Nichtstun und das große Projekt

Einen wunderschönen guten Tag wünsche ich und begrüße Euch zu meinem vierten Blogeintrag. Dies dürfte vermutlich mein bisher kürzester Text werden, denn die Ereignisdichte hat sich ein bisschen abgeschwächt (was auf jeden Fall – so schön alles für sich genommen auch war – echt entspannend ist).

Doch zunächst noch die versprochenen Bilder der Hacienda von Maicol, der eig. Michael geschrieben wird und noch ein paar schöne Fotos des Konzerts von Ole:

In meiner freien Woche habe ich tatsächlich viel der allgemeinen Untätigkeit gefröhnt und sonst vor allem noch ein bisschen Zeit mit Lena, Katja und Julia verbracht. Insofern gibt es auch nichts einschlägiges zu berichten, außer, dass mir die viele freie Zeit sehr gut getan hat, um mich im Kopf mal zu ordnen, das Erlebte zu verarbeiten und mir wieder mal ein Stückchen klarer zu werden, was ich hier mache und erreichen will. Meine Wechselgedanken nach Guayaquil zu Clave de Sur habe ich vorerst begraben, mal sehen, ob sie im Laufe des zweiten Halbjahres wieder auferstehen, ich sehe hier in Playas nun eine mich fordernde Aufgabe, doch dazu später mehr.

Alicja haben wir ja bereits am Montag nach Deutschland verabschiedet. Die nächste, die wir verabschieden mussten, war Julia, am Samstag (07.09.), vorher jedoch begannen wir mit Stalin (ein guter Freund und Künstler aus Playas, arbeitet zur Zeit bei Michael) und einigen anderen Eccis den Skatepark zu bemalen, die dortige Nestea-Werbung darf netterweise nämlich aufgrund fehlender Unterstützung übermalt werden. Das hat großen Spaß gemacht und da sind auch echt ganz schicke Sachen rausgekommen, wie ich finde:

Der Abschied Julias war selbstverständlich recht unerfreulich, selbiges gilt für Lenas Rückflug vier Tage später. Schließlich verließ uns am Freitag in aller Frühe noch Katja, sodass wir nun tatsächlich nur noch sechs sind.

Währenddessen hatte die normale Arbeit wieder begonnen, erwähnenswert ist definitiv der kleine Ariel, ein Bub von vielleicht zwölf Jahren, der jedoch hier jeden auf der Gitarre abzockt. Dessen Vater ist Musiker und hat seinem Knaben schon allerhand beigebracht. Dieser hat jetzt, neben Kevin, bei mir mit Saxophonunterricht angefangen und das klappt ganz vorzüglich, der wird uns auf jeden Fall noch eine Menge Freude bereiten! Weiterhin begleite ich nunmehr den ebenfalls im Centro Intercultural probenden Chor von Playas, geleitet von einer liebenswerten, dicken Spanierin, namens Mercedes, bei einem Lied mit Saxophon und, weil das ganz gut funktioniert, soll ich deshalb in Bälde mit denen bei einem internationalen Chorfestival auftreten und auch auf ihre CD…

Am Donnerstagvormittag ging es dann endlich mal wieder surfen und auch wenn ich wiederum nur eine Welle richtig erwischte, bereitete mir das abermals eine Menge Spaß!

Letzten Sonntag gab es dann eine große Reunion, also eine Versammlung, von uns verbliebenen Deutschen, die 4 1/2 h gedauert hat und trotzdem echt produktiv und effektiv war, die von Anfang bis Ende sachlich und konfliktfrei lief und auf deren Ergebnis wir alle zufrieden gucken können. Es ging um die Zukunft des Playasprojektes: Wir haben zunächst eine gemeinsame Vision entwickelt, der die Frage, was wir uns hier im Optimalfall vorstellen, wenn wir an unserem letzten Tag durch das Gebäude gehen, vorausging. Ich denke, die darf ich hier problemlos veröffentlichen, falls das jemand blöd findet, sage sie/er/es mir Bescheid:

Unsere Vision ist:

„eine sich vor Ort verantwortlich fühlende Gemeinschaft, die sich im Projekt entwickelt (hat).“

„einen Raum bereitstellen zu können, der die Menschen nicht nur musikalisch beschäftigt, sondern ihnen die Freiheit schenkt, sich und ihre Persönlichkeit ausleben zu können.“

„dass wir allen Menschen in Playas die Möglichkeit geben, Begeisterung für die Musik zu entwickeln und daran persönlich zu wachsen.“

Danach haben wir die aktuelle Situation analysiert und schließlich Ziele formuliert bzw. einen Maßnahmenkatalog entwickelt, um unserer Vision näher zu kommen. Das aufwendigste Ziel und größte Projekt ist zweifelsohne die Gründung einer Musikschule, die auch existiert, wenn keine Freiwilligen hier sind, die strukturell unabhängig von Musiker ohne Grenzen existiert, wenngleich natürlich sehr eng zusammengearbeitet wird. Diese Musikschule soll von der in der Vision beschworenen Gemeinschaft getragen werden, wir wollen einige der fortgeschrittenen Schüler sowie vielleicht auch einige Musiker von „außerhalb“, die wir bereits kennengelernt haben, als Lehrer einsetzen, aber wie genau das dann alles strukturell aussehen soll, wissen wir noch nicht genau, da werden wir uns einerseits von Clave de Sur beraten lassen, andererseits auch gucken, welchen Einfluss die anderen Bedingungen hier in Playas auf das ganze Projekt haben werden. Am Sonntag, den 29.09.13, planen wir eine große Gründungsreunion, zu der alle Beteiligten, auch Vertreter der Gasteltern, bzw. insbesondere die Initiatorin des Projekts in Playas, Senora Pilar, sowie Alex vom Centro Intercultural, eingeladen werden und erste Beschlüsse gefasst werden sollen. Im nächsten Beitrag werde ich Euch informieren, wie es lief, ich bin ja optimistisch, dass das super wird – anstrengend, aber super.:)

Am darauffolgenden Montag gab es dann die erste Bandprobe, die wir nunmehr gemeinschaftlich von Alicja übernommen haben und die hat gleich großen Spaß bereitet, die zweite am Mittwoch ebenso. Leider habe ich es versäumt, ein Foto zu machen, das kommt beim nächsten Mal, da lernt ihr auch mal die Bandmitglieder kennen, aktuell proben wir an diesem Lied: http://www.youtube.com/watch?v=Z3AUyA0Q1bc.

Ach ja, seit vorletzter Woche Montag habe ich endlich ein Fahrrad, das gehört eigentlich Fortunato, aber da letzterer selbiges nie nutzte, stellte er es mir, nachdem es halbwegs wieder fahrbar gemacht worden war, freundlicherweise zur Verfügung. Das ist wunderbar, da ich nunmehr nicht täglich zwei Dollar für die Mototaxis ausgeben muss, um zur Arbeit zu kommen und die Fortbewegung mit diesem tollen Vehikel umso mehr genieße. Am Mittwoch nach der Bandprobe bekam ich dann entsprechend einen gehörigen Schrecken, als ich auf den Hof trat und mein Fahrrad verschwunden war. Da hat sich ein kleiner Junge an meinem Fahrrad vergriffen und die Guardians, die da die meiste Zeit vor Ort sind, haben scheinbar auch nicht mitbekommen, dass das nicht sein eigenes Rad war, mit dem der da heim fuhr. Glücklicherweise hat Kevin den Jungen beobachtet, wie er schon zuvor ein paar Runden mit dem Rad auf dem Hof gedreht hat und wusste auch noch wo der wohnt. Da sind wir dann da zu fünft hin und tatsächlich, gut versteckt, haben wir da mein Fahrrad gefunden, den Jungen hingegen nicht, lediglich seinen Bruder, der zunächst bestritt, dass das mein Rad sei und die Mutter, die meinte, dass der Kleine das ja am nächsten Tag wieder ins Centro Intercultural gebracht hätte. Wer’s glaubt! Jedenfalls hab ich jetzt mein Rad wieder und radel glücklich durch Playas, werde mir aber jetzt gleich noch ein Schloss kaufen, auf dass es sicher in meinem Besitz bleibt (Anschließen ist hier eigentlich unüblich, keine Ahnung warum, geklaut werden die hier wie in Berlin).

Doch um mit etwas erfreulichem zu schließen: heute wurden hier von Gabuchos Hündin Canela (=Zimt) zwölf kleine Hundebabys geboren, die auf jeden Fall ganz niedlich anzusehen sind und mit denen ich Euch nun wundervolle zwei Wochen wünsche!!