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Jamsessions, Konzerte und Fette Feten

Guten Morgen Ihr Lieben,

schön, dass Ihr das lest, freut mich sehr, dass ich regelmäßig nette Rückmeldung zu meinem Blögchen bekomme!

Mittlerweile sind alle anderen wieder glücklich angekommen und der Laden brummt! Doch der Reihe nach. Zunächst kehrte Ole am 21.10. zurück und hatte mir am folgenden Morgen eine Menge zu erzählen: Er war nach Cuzco/Peru geflogen, seine Freundin besuchen und ist mit selbiger ein bisschen im Land (zum Beispiel nach Machu Picchu) sowie nach Bolivien gereist. Das hat sich alles sehr aufregend angehört, die Fotos dazu kann man vermutlich bald in seinem Fotoblog bewundern: off.musikerohnegrenzen.de .

Zum Playas-Projekt hab ich erst letztens eine E-Mail an die MoG-Verantwortlichen sowie Gründungsmütter von Playas geschickt und bin faul genug selbige leicht modifiziert hier jetzt rein zu kopieren:

An jenem Dienstag, dem 22.10. hatten wir ursprünglich geplant, die Wahl der Coordinación unseres Musikschulprojekts durchzuführen… Nun, das haben wir nicht. Es gab niemanden, der Kandidat sein wollte. Wir sind als Freiwillige übereingekommen, dass wir vermutlich zu viel wollten, als wir die Wahl bereits einen Monat nach der Gründung angesetzt haben. Zunächst wollen wir nun das Engagement der Eccis, das schließlich schon vorhanden ist, weiter fördern und herauskitzeln und wenn wir dann das Gefühl haben, dass selbiges bereits soweit reicht, dass die Eccis auch offiziell die Koordination und Führung des Projekts übernehmen können, wollen wir die Wahl durchführen. Insbesondere sei hier erwähnt, dass ein Profi-Musiker und sehr netter Mensch namens Ivan bereits mehrfach seine Begeisterung für unser Projekt geäußert hat und auch regelmäßig an unseren Reuniones teilnimmt. Bis letzten Freitag hatte er vom Kulturministerium eine Taller (einen Workshop) finanziert bekommen, um im Centro Intercultural kostenlosen Gesangs- und Gitarrenunterricht zu geben – allerdings um den Schülern explizit traditionelle ecuadorianische Musik beizubringen. Jedenfalls meinte er, dass er auf jeden Fall weitermachen möchte mit diesem Unterricht. Ob er das tatsächlich weiterhin täglich schafft, bleibt offen, ist uns aber auch erstmal egal im Hinblick darauf, einen derart exzellenten Musiker für unser Projekt gewinnen zu können.

Aktuell arbeiten wir mit dem Rest der Directiva, also Alex und Pilar daran, ein Regelwerk (angelegt an das ausführliche Regelwerk von Clave de Sur) zu erstellen, dass erstmal klar ist, wo wir hingehören, was wir sind und wie die Abläufe ablaufen sollen. Selbiges wollen wir am Mittwoch in einer Wochen wieder in einer großen Reunion diskutieren und hoffentlich auch beschließen. Und vorher wollen wir endlich auch einen eigenen Namen für das Projekt wählen. Mein Favorit ist ja Ola Sonora – Klingende Welle, Jana findet Voz de Sol, Stimme der Sonne, besser – mal sehen, gibt noch ein paar mehr Vorschläge.

Außerdem planen wir so schnell wie möglich eine gemeinsame Reise zu unternehmen, wahrscheinlich-möglicherweise nach Manglaralto, ein Strandort nah an Montanita, wo es auch ein Interculturelles Zentrum gibt, deren Vertreter bereits ein grundsätzliches Interesse an einem musikalischen Projekt geäußert haben. Logistik kümmert sich jetzt scheinbar der “Alex” von da, hoffentlich schaffen wir das noch vor unserem Konzert am 15.12.

Dort würden wir dann Samstag hinfahren, einen Tag Mucke mit den Leuten von dem Zentrum zusammenkommen, gemeinsam Musizieren, abends eine kleine Show und Fiesta realisieren und Sonntagnachmittag wieder heimfahren.

Weiterhin haben wir nächstes WE die Clave-de-Sur-Leute eingeladen, um ein gemeinsames Workshop-WE bzw. einen musikalischen Samstag zu organisieren, bei dem die Guayacos Ihre Instrumente mitbringen und evtl. unseren Leuten ein bisschen was beibringen, Kevin z.B. würde seine Trompetenkenntnisse gern mal wieder auffrischen, Jose würde gern mehr Jazzpiano lernen. Und abends könnten wir im Leguanpark oder beim Skatepark ein bisschen Straßenmusik machen. So ohne Hut aufstellen, einfach Musik für uns und alle, die zuhören wollen oder so, wenn uns jemand was spendieren möchte, dann bitte in Form alkoholhaltiger Naturalien.

Die Band läuft gerade super, hatten schon zwei kleine Konzerte, bei denen jeweils die Audio-Technik leider eher mittelmäßig war, musikalisch haben die Jungs aber echt gute Ideen und richtig Lust, evtl. beginnen wir vielleicht sogar bald mit eigenen Songs, Andres hat da auf jeden Fall schon richtig gute Texte/Entwürfe vorgelegt! Außerdem fangen wir jetzt nach den Bandproben des Öfteren mal an ein bisschen zu jammen, das ging schon mal in die Hip-Hop/Funk-Richtung, wurde aber auch schon poppig und rockig – in jedem Fall sehr spaßig!

Am Donnerstag derselben Woche, dem 24.10., nahm der Chor von Playas an einem internationalen (Chor-)Festival teil, sozusagen als Gastgeber. Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich überhaupt schon was vom Chor schrieb: Er wird von einer dicken Spanierin namens Mercedes geleitet, die hauptberuflich im Musikkonservatorium in Guayaquil arbeitet. Sie ist superlieb, man muss nur manchmal schauen, dass sie nicht den Arm nimmt, wenn man die Hand reicht. Der Chor probt auch im Centro Intercultural, jeden Montag und Samstag. Was uns Freiwillige sehr freut: Mercedes möchte mit dem Chor auch am Musikschulprojekt teilhaben. Damit haben wir schon einige hochkarätige ecuadorianische bzw. permanent hier lebende Musiker in unseren Reihen, die aktiv mitwirken.
Mit diesem Chor habe ich jedenfalls das Lied „Tabaco y Chanel“ geprobt und durfte bei jenem Konzert freundlicherweise mitspielen. Meiner persönlichen Meinung nach, schreit der Chor zu viel und singt zu wenig, auch die tonale Trefferquote lässt manchmal ein bisschen zu wünschen übrig. Andererseits singt er mit Leidenschaft. Auf jeden Fall sehr schön, dass es sowas hier gibt! Das Konzert hatte aber auch sonst viel zu bieten: Den wohl besten Chor (aus Chile) habe ich leider verpasst, da waren wir gerade in der Sakristei am Vorbereiten, ansonsten gab es ein paar sehr schöne Solobeiträge sowie auch zwei sängerlose Ensembles, die spielen durften, ein Saxophonquartett + Percussion aus Mexiko und eine argentinische Swingband. Selbige sorgte für meinen persönlichen Höhepunkt des Abends, als der Geiger plötzlich anfing, auf einer Säge zu spielen bzw. zu swingen, absolut großartig!

Hier und hier könnt Ihr sowohl Tabaco y Chanel als auch das Sägelied sehen.

Am nächsten Tag hatte Tato, also mein kleiner Gastbruder, Geburtstag. Das war insofern ein bisschen peinlich, als dass er mir vorher irgendwas erzählt hatte, dass er am 10.10. Geburtstag gehabt hätte, als er gerade in Guayaquil in den Ferien war, sodass ich ihm bereits ein Geschenk überreicht hatte. Naja, war schnell vergessen. Die Party war aber weniger ein Kindergeburtstag, eher ein mittleres Saufgelage für meine Gasteltern und ihre Kumpels. Zur Freude Tatos hatten einige derselben jedoch ihre Kinder mitgebracht, sodass er, der hier sonst nur sehr wenig Besuch von Gleichaltrigen bekommt, mal Spielkameraden hatte. War für mich auf jeden Fall auch lustig, Fortunato war ziemlich betrunken und sehr niedlich dabei!

Am Samstag, dem 26.10. hatten wir schon länger geplant Cajones für das Musikschulprojekt zu bauen. Mittlerweile war bereits auch Insa zurückgekehrt und zusammen mit Andres und Jose Luis wollten wir gegen in der Werkstatt des Ehemanns der Senora Pilar, Danilo, die Kisten zusammenschrauben. Die Materialien waren alle besorgt und Danilo hatte sie uns bereits perfekt, wirklich genauestens gesägt und stand uns auch sonst mit Wort und Tat zur Seite, unglaublich liebenswürdig. Auf die beiden Ergebnisse kann man stolz sein finde ich, die Dinger sind echt stabiel und klingen ziemlich schön, dafür, dass wir (leider) nur Draht und keinen Snare-Teppich drinnen anbringen konnten.

Außerdem fanden wir an jenem wundervollen Tag unseren neuen Stammbierladen, der das brasilianische Bier Brahma verkauft, das erstens leckerer weil stärker im Geschmack und zweitens relativ neu auf dem ecuadorianischen Markt ist. Das hat zur Folge, dass die Preise deutlich geringer sind, sieben Dollar für den 24er Kasten 0,3er oder den 12er Kasten 0,6er. Die ecuadorianischen Biere Pilsener bzw. Club Verde kosten hingegen meist 1,25 bzw. 1,50 Dollar pro 0,6er Flasche, jedenfalls hier in Playas, weshalb Bier hier tatsächlich zu den wenigen Dingen gehört, die teurer als in Deutschland sind. Bzw. gehörte. Denn die 0,6er Brahma kriegt man für 60 Cent. Yeah!

Weiterhin durfte ich das vorläufig letzte Konzert meiner Band Bjelomorkanal im Radio Lotte Weimar live verfolgen. Unser Sänger geht für einige Monate nach Kenia, solange werden die Dudes pausieren. Das war auch ein großer Spaß!

Eine ganz wunderbar lustige Tanzsession mit einer sehr guten Freundin und Surferin namens Evelin dann abends im Aloha rundete diesen rundum großartigen Tag noch schlussendlich ab – hach war dit schön.

An diesem Tag kamen auch die anderen Mädels aus dem Urlaub zurück, Anne war krank geworden, sodass sie die Reise in den Urwald leider nicht mehr antreten konnten. Hat mich bei allem Beileid aber gefreut, die Mädels wiederzusehen, wir sind schon ein ziemlich cooles Team hier.

Nun, ich hüpf mal vor bis zum 31.10., das war nämlich abermals ein ordentlich voller Tag. Das erste Highlight war auf jeden Fall das Skype-Gespräch mit meiner lieben Großmama. Die war doch recht beeindruckt, wie gut sich mich so um die halbe Welt sehen und hören kann – das war sehr niedlich und herzerwärmend, wie immer mit Großmamam. Später gab es eine ziemlich fette Jamsession von Jonathan am Schlagzeug, Ole am Bass und mir. Diese kleine Besetzung klingt echt sehr nice, wenn der Schlagzeuger gut vorwärts geht, ist mir aufgefallen – geht halt in ne funkige Richtung, hat jedenfalls richtig viel Spaß gemacht!! Abends hatte Lorja, die ehemalige Gastmutter von Katja und Gasttante von Ole zu einer Halloweenparty geladen. Die war zugegebenermaßen recht langweilig. Die Mädels hatten sich ein bisschen bepinselt, Ole hat sich mit Klopapier eingewickelt, ich hab mir meinen roten Schal über den Kopf gezogen… generell war da echt einfach recht wenig los.

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Zum Glück hatte ich früher am Abend den Biermann Christofer, also den Besitzer des oben beschriebenen Ladens getroffen und eingeladen. Selbiger versorgte uns daraufhin mit genügend Getränken, dass es trotzdem ganz lustig war. Naja und um zwölf hatte ich ja dann Geburtstag. Das war angenehm unaufgeregt alle haben mich mal gedrückt, haben ein bisschen geträllert und gut wars. Lustigerweise hatte Christofer auch am 01.11. Geburtstag, der erste Typ, den ich kennenlerne, der mit mir Geburtstag hat.

Meinen Geburtstag habe ich sehr entspannt verbracht, relativ lange geschlafen, mittags mit meiner Familie und meiner Patentochter samt Familie geskyped, meine Feier mit vorbereitet.

Als Überraschung und um es mal auszuprobieren, hab ich mich außerdem noch rasieren lassen, das ist schon nochmal was anderes. Zumindest wenn man das so kunstvoll macht, wie jener ältere Friseur. Wesentlich angenehmer, als sich selber zu rasieren. Trotzdem werde ich schnellstmöglich wieder bärtig denke ich. Abends gab es die Präsentation des Workshops von Ivan im Centro Intercultural, die an sich bestimmt ganz schön gewesen wäre, wenn die Lautsprecher nicht – wie eigentlich immer – unerträglich laut gewesen wären und die Tontechnik ziemlich schlecht, sodass man leider nur einige wenige der Musiker gut hören konnte, andere völlig untergingen. Danach sind wir in einer Gruppe von knapp 15 Leuten zu mir heim. Dort hab nicht nur ich gefeiert, sondern auch ein Freund meiner Gasteltern, der am 31.10. Geburtstag gehabt hatte. Das war ein wenig eigenartig, waren halt zwei Feiern nebeneinander, gemischt hat sich da nix. Aber wir hatten trotzdem unseren Spaß… Erst einmal gab es richtig leckeres Essen – Flusskrebse. Die Esstechnik ist auf jeden Fall schon eine Kunst für sich, nach einigen Versuchen hab ich das aber doch ganz gut hinbekommen und das war wirklich arg lecker!

Später sind wir dann in mein Häuschen umgezogen, also nur meine Crew, nicht die von dem Freund, und haben da ein schön getanzt, ich hab es mir natürlich nicht nehmen lassen, die Mucke zu machen, es wurde also geraved, aber hat definitiv nicht nur mir großen Spaß gemacht. Tatsächlich war ich tanzend zwischenzeitlich auf einer regelrechten Euphoriewelle emporgehoben worden – das war wirklich wundervoll!

Am Samstag hab ich mich zunächst sehr gefreut eine sehr süße E-Mail meiner ehemaligen Gastfamilie aus Chile im Postfach zu haben. Der Kontakt war ja leider eingeschlafen, doch zwei Jahre nach meiner ersten Geburtstagsfeier in Lateinamerika haben sie sich mal wieder gemeldet und abermals bekräftigt, dass ihr Haus immer für mich offen sein wird. Wie schön das ist! Ich hoffe, dass ich es gegen Ende meiner Zeit hier schaffen werde, sie zu besuchen, mal sehen…

Später durften wir dann erstmals Michel beim Kite-Surfen bewundern. Selbiger hatte ja erst kürzlich sieben Wochen in Brasilien verbracht, um mit der Weltspitze zu trainieren und das war definitiv eindrucksvoll, obwohl der Wind wohl ein bisschen schwach war, ist der mit diesem Riesenvieh von einem Drachen da ganz schön durch das Wasser geheizt. Abends haben wir noch ein herrliches Lagerfeuer am Strand „Chabelas“ gemacht, wo wir sogar (teilweise) gebadet haben.

Und auch gestern war wieder so ein richtig schöner Tag, wir sind nach Puerto de Engabao gefahren, die Wellen waren jedoch ein bisschen sehr groß, Ole und ich haben zwar versucht, mit dem Brett reinzukommen, aber die Wellen haben uns immer wieder zurückgespült, keine Chance. Dafür haben wir nett mit den Rettungsschwimmern gequatscht und später den Vater von Salvador kennengelernt, seines Zeichens eigentlich ziemlich erfolgreicher Anwalt, der sich aber weitestgehend aus dem Geschäft zurückgezogen hat und seinen Sohn die Arbeit machen lässt. Er lebt in seiner sehr schönen Hütte in Puerto de Engabao und vermietet ein paar Bungalows rundrum. Es gibt große Doppelhängematten und einen so trashigen Kicker (mit total urigen Metallfiguren und Abwehr, Mittelfeld und Sturm jeweils aus drei Spielern), dass er schon wieder cool ist. Obwohl nach dreimonatiger Kickerabstinenz jeder Kicker cool gewesen wäre. Der Anwalt ist jedenfalls derbe liebenswert und schafft es nur ganz schlecht sich Namen zu merken bzw. auszusprechen, Jana taufte er kurzerhand Jamba, Insa Infla, ich wurde zu Michael und Ole hat nur mit „Colorado“ angesprochen, ein hier angeblich üblicher Begriff für Europäer, den ich so aber noch nicht gehört hatte. Jamba werde ich auf jeden Fall versuchen als Spitznamen zu etablieren.:)

Später sind wir noch zum Gringo Andres gefahren hat, der morgen Geburtstag hat, aber schon mal Sonntag mit der Feierei angefangen hat. Das war auch sehr, sehr lustig! Irgendwann meinten dann der Abogado und der Gringo dass wir eigentlich alle Engel wären. Diese beiden alten Säcke, die leben, als ob sie zwanzig/dreißig Jahre jünger wären. Großartig!

Ihr seht/lest, dieses Wochenende war in der Tat wunderbarst und ich könnte mir keinen Ort mehr vorstellen an dem ich gerade lieber wäre, als hier:)

Machts gut,
Euer Matthi

PS: Ein kleiner Nachtrag zum Rave in Montanita:
http://www.youtube.com/watch?v=oLzWQwwlcD4