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Die Sache mit den Geldautomaten

Ich komme Montagmorgen gegen 10 auf Isabela an und lasse mich mit dem Taxi in’s Hostal bringen. Es ist warm, die Sonne scheint. Das Zimmer ist schön, vom Fenster aus kann ich das Meer sehen. Ich bezahle die ersten beiden Nächte und ziehe los, um mich mit einer chilenischen Reisebekanntschaft im gleichen Hostal zu treffen und gemeinsam die Insel zu erkunden.

Wir entscheiden uns für ein Ausflugsziel. Aber bevor wir uns auf den Weg machen, muss ich noch schnell zum Geldautomaten, damit ich später die letzte Nacht im Hostal bezahlen kann.
„Hier gibt es keine Geldautomaten“ bekomme ich daraufhin zu hören.
Haha.
„Nein, wirklich.“
Witzig, diese Südamerikaner.
„Im Ernst. Hier gibt es keine Geldautomaten. Man muss Bargeld mitbringen. Hast du das nicht gelesen?“
Mir entgleisen ein wenig die Gesichtszüge. WAS? Wie kann das sein? Warum hat mir das keiner gesagt?
So richtig glauben kann ich es noch nicht und wir fragen uns durch bis zu einem kleinen Lebensmittelgeschäft, über dem auch BANCO steht. Innerlich triumphiere ich schon. Denn selbst auf der kleinsten Insel muss es doch die Möglichkeit geben, an Geld zu kommen. Ich trete ein und frage freundlich, ob ich etwas abheben könne. Klar, lautet die Antwort, wenn ich eine Karte der Banco de Guayaquil hätte. Habe ich natürlich nicht. Ich versuche all meinen Charme einzusetzen und frage, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gäbe, ich hätte nämlich kein Bargeld dabei. Oder eine Touristeninformation? Die Polizei?
Nein. Man müsse schon Bargeld mitbringen hierher. Der nächste Geldautomat sei in Santa Cruz. Also auf der Nachbarinsel. Von der trennen mich leider 2 Stunden unbequeme Bootsfahrt.

Das gibt’s doch gar nicht. In Deutschland würde es das nicht geben. Da würde man dich nicht an solch einen Ort lassen, ehe du nicht schriftlich erklärt hättest, dass du verstanden hast, dass du dort nicht an Bargeld kommst, aber überall nur mir solchem bezahlen kannst.

Ich trete zurück auf die Straße und berichte.
„Wie viel Geld hast du denn noch dabei?“, werde ich gefragt.
„Naja, so… 5 Dollar.“
„Oh.“
Ja, oh. 5 Dollar, eine Nacht auf der Straße, keine Tour und eine Rückfahrt am Donnerstag. Das passiert also, wenn ich mal nicht plane.

„Und wenn du gleich heute Nachmittag das nächste Boot zurück nimmst?“
Nein, das kommt für mich auch nicht infrage. Ich hatte mich doch so gefreut, die Fahrt war teuer genug und jetzt bin ich schon hier. Außerdem habe ich theoretisch ja nicht einmal 30 Dollar für die Rückfahrt, und umbuchen kann man nicht.

Ich stapfe los, um zu schauen, ob es nicht eine Agentur gibt, bei der man wenigstens die Ausflüge mit Karte zahlen kann. Die gibt es. Ich klage mein Leid und sie haben sogar ein Hotel, das ich mit Karte bezahlen könnte!
Das Problem: genau in der Nacht, in der ich es bräuchte, ist alles voll. Aber nach ein wenig Herumtelefoniererei löst sich auch dieses Problem und die nette Dame bucht meine beiden bezahlten Nächte in dem anderen Hostal nach hinten um, sodass ich meine Sachen dort wieder einsammeln kann und für die erste Nacht in ein anderes – zugegeben teures, aber was soll’s – Hotel bringen kann. Auch die Ausflüge buche ich direkt. Überall zahle ich 10% Kreditkartengebühr. Naja. Hauptsache, mein Konto ist noch gedeckt….

Jetzt, wo ich weiß, dass ich alle drei Nächte ein Dach über dem Kopf haben werde, geht es mir gleich viel besser. Ein kleines Abenteuer, nichts weiter. Das wollte ich doch, oder? Mache ich halt einfach Diät die nächsten Tage und kann eben nicht schnorcheln gehen. Und für’s Taxi lege ich mir gleich etwas zur Seite. Macht unter’m Strich: ca. einen Dollar pro Tag.

Wo nun vorerst alles geregelt ist, unternehmen wir eine kleine Wanderung (ein Fahrrad kann ich mir nicht leisten) zu einer Sehenswürdigkeit. Die Welt um mich herum steht noch.

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Ca. 12km und einige Stunden ecuadorianische Mittagssonne später komme ich krebsrot vom Ausflug zurück. Meine 30er Sonnencreme hatte keine Chance.
Selten hat ein Bad im Meer so gut getan wie jetzt. Ich genieße den Moment in vollen Zügen.
Außerdem erfahre ich, dass es in meinem ursprünglichen Hostal den ganzen Tag Wasser und Bananen gratis gibt.

Also alles gar nicht so wild, wie gedacht.

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