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Von Abschied und Ankommen

Noch am Abend meiner Rückkehr von Isabela fahren wir für eine Nacht in die Berge ins Reservat, wo eine der Freiwilligen, die auch in der Wohnung wohnt und bald in die Heimat zurückfahren wird, arbeitet. Ich sehe so viele Sterne, wie ich vielleicht noch nie im Leben gesehen habe. Wir teilen einen Mitternachtssnack mit einer Million Faltern und das Zimmer mit mindestens einer Kakerlake. Am nächsten Morgen frühstücken wir in der Hängematte und werden dabei von Kühen und Schildkröten beobachtet. Ich lese ein Buch, während die anderen konzentriert einen MoG-Fragebogen ausfüllen. Am liebsten würde ich den ganzen Tag bleiben, weil es so wunderbar still ist, nur unterbrochen von Geräuschen des Waldes, der Vögel und Kühe. Aber wir müssen gehen, bald kommt eine Gruppe von Touristen.

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Den Rest des Tages verbringe ich mit Interviews, dem Sortieren von Fotos, einigen kleinen Besorgungen und der endgültigen Planung des Wochenendes.

Dann endlich der Samstag, auf den ich mich so lang gefreut habe: Tauchen gehen auf Galapagos. Ausnahmsweise läuft auf einem meiner Ausflüge mal alles glatt und ich komme am späten Nachmittag erfüllt nach Hause, nachdem ich in zwei Tauchgängen verschiedenste Rochen, unendlich viele große und kleine bunte Fische, Seesterne, Riesenschildkröten, Moränen und Haie gesehen habe.

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Das gleiche kann ich vom Sonntag, meinem letztes Tag auf Galapagos, nicht behaupten. Wieder stehe ich früh morgens auf und mache mich auf den Weg zu einer Agentur, die mir empfohlen wurde. Heute steht an: ein Ausflug nach Floreana, eine weitere Insel, die viel interessante Geschichte haben soll. Außerdem sieht man auf dem Hin- und Rückweg angeblich Delfine und dort Massen besonderer Vögel.

Ich komme an, mir wird eine Taucherbrille gegeben und ich setze mich. Nach einer Viertelstunde wird mir mitgeteilt, es gäbe keine Boote mehr, weil alle nach Isabela fahren würden und ich könne nicht fahren. Ich fühle mich wie im Film und bin versucht, nach der versteckten Kamera zu suchen. Das Déjà-vu geht weiter: ich werde ohne Ankündigung allein gelassen. Das kann doch gar nicht sein. Heute habe ich keine Hoffnung mehr, aber mein Geld hätte ich schon noch gern zurück. Ich nehme mir einen Kaffee und warte.

Nach etwa einer halben Stunde kommt der Mann zurück. „Schnell, schnell, es gibt doch ein Boot!“. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Kurze Zeit später befinde ich mich auf selbigem und darf sogar entspannt oben beim Captain sitzen, während unten alle seekrank werden.

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Die Tour lohnt sich aber nicht. Die Flagge am Boot war ein schlechtes Omen. Der Spaziergang mit dem geschichtlichen Teil und den Wikingerhöhlen ist ganz interessant, aber wirkt unorganisiert. Danach gibt es Essen und im Anschluss werden wir zum Schnorcheln am Strand abgeladen. Wirklich beeindrucken können mich die Fischlein nach meinem Tauchgang gestern nicht mehr, und so setze ich mich an den Strand und lese.
Als ich ca. 2 Stunden später wieder aufs Boot steige, habe ich keinen einzigen tollen Vogel gesehen, und auch insgesamt bin ich der Meinung, dass sich die je zwei Stunden Fahrt für das, was ich gesehen habe, nicht wirklich lohnen.
Das einzig coole: auf Floreana gibt es einen Briefkasten, in den man seine Karten ohne Briefmarke einwirft. Wenn man auf die Insel kommt, schaut man diese durch, und ist eine Karte aus der eigenen Stadt dabei, so nimmt man diese mit und bringt sie dem Empfänger vorbei.
Weder aus Hamburg noch aus Greifswald sind Karten drin, dafür werfe ich einige ein. Mal sehen, ob sie jemals ankommen.
Außerdem finde ich jemanden, der am nächsten Tag mit dem gleichen Flug die Inseln verlässt, und wir beschließen, und ein Taxi zu teilen.
Das wir auf der Rückfahrt keine Delfine sehen, brauche ich kaum noch zu sagen.

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Und dann ist meine Zeit auf Galapagos vorbei. Der Abschied von dem Musikern kurz und schmerzlos mit einem kleinen Briefchen, es ist noch sehr früh. Die Fahrt zum Flughafen zusammen mit meiner Bekanntschaft von Vortag und noch einer weiteren Reisenden entpuppt sich als Sightseeingfahrt: wir besuchen auf dem Weg noch ein Gelände, auf dem sehr viele Schildkröten leben, und eine Lavahöhle. Richtig entspannen kann ich mich nicht, weil ich bei Flügen ja sowieso immer Angst habe, zu spät zu kommen. Immerhin müssen wir ja auch noch mit dem Boot auf die Flughafeninsel übersetzen und von dort mit dem Bus weiter…
Am Ende kommen wir zwar nicht super pünktlich, aber doch rechtzeitig. Aus dem Flugzeug ein letzter Blick auf die Inselgruppe, dann nur noch Meer.

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Beim Landeanflug auf Guayaquil ist das Land so weit das Auge reicht überschwemmt. Ich hoffe, das ist normal in der Regenzeit.

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Am Flughafen angekommen nehme ich ein sicheres Taxi zum Busbahnhof und schaffe es dort mit viel Fragen mein Ticket nach Playas zu kaufen. Nach einem kleinen Abstecher in den Supermarkt muss ich feststellen, dass die Schokolade hier wirklich nicht schmeckt. Und ich dachte immer, alle hier würden sich nur anstellen.

Die Fahrt dauert zwei Stunden und der Bus ist total spacig. Ich schlafe ein bisschen und merke, dass die Nacht doch zu kurz für mich war. Meine Sachen habe ich fest umklammert, aber eigentlich fühle ich mich sicher.
In Playas angekommen angekommen schaffe ich es kaum, auszusteigen, weil die Straßen so voll mit Menschen sind. Karneval. Ein Grund zum Feiern und ans Meer zu fahren. Ich nehme mir ein Taxi zum Centro Intercultural und bin kurz verwirrt, dass die Taxis hier keine weißen Pickups mehr sind. Ich schaue aus dem Fenster, und irgendwie sehen die Häuser zwar ähnlich aus wie auf Galapagos, aber doch irgendwie anders. Und die Stadt ist im Vergleich so groß…
Dort angekommen erwarten mich gleich drei Musikerinnen. Später kommen sogar noch bekannte Gesichter aus meiner ersten Nacht im Guasmo dazu: viele nutzen die Gelegenheit, ans Meer zu fahren oder sind auf dem Rückweg von kurzen Trips mit ihren Gastfamilien. Nach zwei Stunden haben wir uns ein bisschen kennen gelernt und ich merke, wie ich ankomme. Dann werde ich in mein Zuhause für die nächsten fünf Tage gebracht.

Ich glaube, ich habe mich noch nie irgendwo von der ersten Sekunde an so willkommen gefühlt. Schon von der Tür ein herzliches „Hallo! Schön, dass du da bist!“ und es fühlt sich so an, als würde sie es wirklich meinen. Nichts in Sicht von diesem kurzen Moment verlegenen Schweigens, weil man kurz nicht weiß, was man sagen soll. Das habe ich so wirklich noch nie erlebt. Diesmal ist die Schokolade kein Kit, sondern ich freue mich richtig, dass ich welche schenken kann. Das Haus ist voll: Familie, Besuch von ecuadorianischen MoGs, ich. Es gibt zwei Schlafzimmer und ein Badezimmer, die wir uns ca. zu zehnt teilen werden. Der Boden ist, wie so oft, einfach unregelmäßig aus Beton gegossen. Drei Katzen und drei Hunde laufen durchs Haus. Ich fühle mich gleich pudelwohl.