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Warten…

Während ich gerade den Blogeintrag schreibe, sitze ich hier und warte darauf, dass jemand nach Hause kommt und mir ein Frühstück hat. Draußen läuft schon wieder südamerikanische Musik, irgendwelche von den vielen Hunden haben sich wieder miteinander angelegt und rennen bellend durch die Straßen, nebenher fährt noch einer der vielen Obstverkäufer mit seinem Wagen und preist seine Wahre durch die Riesenlautsprecher auf dem Autodach an und bei uns läuft der Fernseher auf voller Lautstärke. Das heißt aber auch, es muss irgendwo jemand zuhause sein…

Vielleicht ist meine Gastmama aber auch nur “kurz” einkaufen, was bei uns eigentlich vor jedem Kochen passiert, weil man sicher hier keine Vorräte anlegt. Eigentlich sollte das ja schnell gehen, da in jedem zweiten Haus in unserer Straße ein kleiner Laden ist, in dem man so die wichtigsten Sachen bekommt. Aber wir sind eben doch in Ecuador, und da dauert das dann doch seine Zeit.

Und das obwohl meine Gastmama laut ihrer Familie die “Lenny ocupada” ist, die einem auch von den ganzen alten Wahlplakaten an den Wänden entgegen lächelt. Weil sie hier politisch und in der Gemeinde ziemlich engagiert ist kann es gut sein, dass sie den halben Tag bis nachts um 12 weg ist. Aber wenn sie zu Hause ist lebt auch sie das gemütliche Leben der Eccis ;)

Zum Frühstück ist immer noch keiner erschienen und ich muss mich langsam auf den Weg zum Unterricht machen. Seit zwei Wochen haben wir jetzt hier mit dem Unterrichten angefangen. Waren es die ersten Tage noch 2/3 Kinder, so haben wir jetzt doch schon um die 20 Kinder, die mehr oder weniger regelmäßig kommen. Jeden Tag gibt es auch wieder neue Gesichter, die mal vorbeischauen oder, wenn wir schon draußen Unterrichten mussten, weil der Schlüssel drei Stunden zu spät gebracht wurde, sich einfach neugierig dazusetzen.

In der ersten Woche haben wir immer ab mittags um 3 mit allen ein bisschen gesungen, Flöte gelernt (was ich selber am Montag zum ersten Mal richtig gespielt habe :D) und den Älteren auch etwas Theorie beigebracht. Inzwischen haben wir auch ein Klavier, ein paar Gitarren und Geigen gekauft/eingesammelt und sind in unseren endgültigen Unterrichtsort umgezogen. Ich habe inzwischen auch schon 5 Geigenschüler, von denen sich auch schon zwei eine eigene Geige gekauft haben. Der Beste von ihnen, Mitchi, macht ziemlich schnelle Fortschritte und ist auch einer von denen, die fast immer pünktlich da sind. Beim Flöten kann er uns auch schon helfen unsere spanischen Sätze nochmal so zu übersetzen, dass auch alle genau verstehen, was gemeint ist und sieht auch schon schnell, wenn irgendjemand was falsch macht ;) Das Witzige ist, dass die meisten Schüler Jungs sind. So haben wir einen Chor, der aus ungefähr sechs vierzehnjährigen Jungs besteht, von denen zwar eigentlich keiner die Töne trifft, die aber trotzdem kommen.

Dann haben wir Dienstags auch noch eine Klasse im Colegio, die aus 8., 9. und 10. Klässlern besteht, mit denen wir auch Musik machen sollen. Das werden wir nach mehreren Änderungen jetzt nächsten Dienstag zum ersten Mal machen. Darauf bin ich schon sehr gespannt. Eigentlich sollten die Schüler diesen “Kurs” auch wählen können. Aber das lief im Endeffekt so ab, dass die Koordinatorin an der Schule einfach ein paar Schüler aus den Klassen rausgezogen hat, die jetzt mit uns Musik machen sollen und dementsprechend hoch ist dann auch die Motivation..

Aber wir werden sehen ;)
Und jetzt am Wochenende gehen wir nach Zhagal, das so ungefähr 5 Stunden südlich von hier liegt, um uns dort mit allen Deutschen, die schon hier in Ecuador sind, in dem Projekt zu treffen. Vielleicht können wir ja da auch dem Dauernieselregen hier in Olón entfliehen..

Also es gibt immer was zu tun hier ;)