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Spontane Hochzeit und ein Ausflug ins Orchester

Als ich am Freitag in die Musikschule gehen wollte wurde mir eröffnet, dass die Tante meiner Gastgeschwistern noch am selben Tag heiraten würde. Ich verstand das zuerst nicht, da Alexandra schon einen Mann hat, aber dann wurde mir erklärt, dass es eine Erneuerung des Ja-Worts, zu Ehren des 16. Hochzeitstags sei.

Also kehrte ich pünktlich aus der Musikschule zurück und suchte in aller Eile irgendetwas, das ich zu diesem Event anziehen konnte. Es war aber eigentlich gar keine Hektik geboten, da die Braut selbst noch bei der Arbeit war und erst kurz vor knapp nach Hause kam, um sich etwas angemessenes anzuziehen.
Dann sollte man endlich zur Kirche aufbrechen, aber natürlich befinden wir uns in Ecuador und so kamen sogar die Familienangehörigen zu spät zum Gottesdienst. Als aller letzter stolzierte der Vater der “Braut” in den Saal. Es folgte eineinhalb Stunden beten und predigen. Der Pfarrer schrie unentwegt ziemlich laut in sein Mikrofon, dass das Brautpaar der Beweis dafür sei, dass Liebe und Treue möglich wären. Dann wurden schließlich die Ringe ausgetauscht und alle verfielen in einen heftigen Applaus. Danach wurde der “Frieden vom einen zum anderen gereicht”, in dem man sich die Hände schüttelte und sich auf die Wangen küsste.

Nachdem die ganze Zeremonie vorbei war, begab sich die Familie nach Hause, wo Essen und Trinken serviert wurde. Mir wurden einige noch unbekannte Verwandte vorgestellt, aber ich musste leider ziemlich bald gehen, da ich noch Unterricht hatte und vor allem Gary gerne noch zu seinem Orchester begleiten wollte.

Um drei brachen wir dann zum Orchester auf. Ich war ganz schön gespannt und fühlte mich auch etwas unwohl, als ich den Probenraum, gefüllt mit einem Haufen von Ecuadorianern betrat. Ich wurde in die erste Geige nach ziemlich weit vorne gesetzt. Wir spielten Tschaikowskys vierte Sinfonie und es war ganz schön schwierig das ganze vom Blatt zu spielen. Allerdings versprach Gary später, mir die Noten zu besorgen und ich nahm mir fest vor, sollte ich ihn wieder ins Orchester begleiten, davor ausreichend zu üben.

Wir kamen genau rechtzeitig zur Reunion um halb acht wieder im Guasmo an. Ich war ziemlich müde und verstand sowieso nicht sonderlich viel von dem, was wir besprachen. Mich freute allerdings, zu erfahren, dass die Mutter einer meiner Geigenschüler, extra Kuchen für mich vorbeigebracht hatte. Der entsprechende Schüler hatte Geburtstag gehabt und konnte deshalb nicht zum Unterricht kommen.

Als sich dann am Abend noch ein paar Musikschulmitglieder trafen, kam ich natürlich trotz Müdigkeit mit. Es wurde getrunken, sich unterhalten und irgendwann gegen halb eins wurden laute, ecuadorianische Volkslieder gesungen…

Ein Beitrag aus Naomis Reisetagebuch „Geigen im Gusamo