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Neues aus Ecuador II.

Liebe Projekt-Verfolger,

vergangenen Montag sind Rodolfo und ich in den Campo (aufs Land) gefahren zu dem Projekt „Sonido Zhagal“, das wir hier vor 2 Jahren initiiert haben. „Campo“ in Ecuador ist allerdings nicht vergleichbar mit deutschen ländlichen Gebieten. Hier arbeiten tatsächlich alle, die im Campo leben, auch in unmittelbarer Nähe in der Landwirtschaft und bauen Kakao, Bananen, Kaffee und Tropenfrüchte an und verkaufen sie in den umliegenden Städten. Das Gebiet liegt am Fuße der Anden, ist feucht, warm und dschungelartig. Dort gibt es mehrere Flüsse sowie heiße Quellen. Ich finde es wunderschön dort – auch wenn man am Besten nur mit Gummistiefeln durch die Gegend läuft.

Das Musikprojekt ist in den Räumen eines Gemeinschaftshauses „Casa comunal“ angesiedelt, im „Zentrum“ (bestehend aus Kirche, Tante-Emma-Laden, Fussballplatz) des Dorfes. Hauptsächlich werden hier die Instrumente Gitarre und Klavier unterrichtet. Inzwischen gibt es auch hier einige Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die regelmäßig Musik machen. Sonntags in der Katholischen Messe spielen beispielsweise einige inzwischen regelmäßig mit und begleiten die Lieder – früher mussten die Messen oftmals ganz ohne musikalische Begleitung stattfinden.

Allerdings gestaltet es sich hier besonders schwierig, einen Stundenplan und eine Kontinuität der Schüler zu etablieren. Der Alltag im Campo sieht für die Jugendlichen so aus, dass sie je nach Wetter und je nachdem, was es zu tun gibt (derzeit ist z.B gerade Kakaoernte), mal früher und mal später von der Arbeit nach Hause kommen. Deshalb ist der Unterricht dort offen organisiert, die Freiwilligen sind zu bestimmten Zeiten Nachmittags und Abends in den Räumen des Musikprojekts und unterrichten die Leute so, wie sie dort ankommen: mal in Gruppen, mal einzeln, mal länger, mal kürzer. Dieses Projekt ist jedoch insgesamt noch sehr stark abhängig von freiwilligen Lehrern, die dort unterrichten.

Wir haben dann eine Versammlung mit allen Schülern einberufen, um die zwei Jahre Projektarbeit auszuwerten. Dabei stellte sich heraus, dass ein großer Wunsch der Jugendlichen darin besteht, Bands zu gründen – wofür wir ein Schlagzeug benötigen. E-Gitarren haben wir bereits gespendet bekommen, einen Bass gibt’s schon.

Anschließend war ich in dem Projekt „Ola sinfonica“ in Playas, an der Küste Ecuadors. Dieses Projekt gibt es schon seit 3 Jahren. Momentan sind keine Freiwilligen dort – die nächste Gruppe kommt erst Mitte August an. Dennoch läuft der Musikunterricht super. Vor einigen Monaten hat das Musik-Projekt einen pensionierten Geiger angelockt, der in Playas gegenüber vom „Casique Tumbala“ (Kulturzentrum, wo wir auch mit unserem Projekt sitzen) wohnt. Er engagiert sich seitdem mit Leib und Seele, unterrichtet Geige, organisiert einen Kirchenchor und freut sich tierisch der „Langeweile der Pensionierung“ zu entgehen.
Darüber hinaus hat sich eine Trompeterin aus Alaska in Playas niedergelassen und engagiert sich nun ebenfalls in dem Musikprojekt. Dazu unterrichten noch ein bis zwei der fortgeschrittenen Schüler Gitarre.

Insgesamt läuft der Laden also ziemlich gut für die kurze Zeit und es ist toll irgendwo anzukommen und eine aktive Musikschule vorzufinden. Die größte Baustelle ist hier nun, die Raumsituation zu optimieren. Wir bräuchten im Idealfall 6 Unterrichtsräume. Dafür müsste eine Wand gezogen werden, wir müssten ein paar Türen kaufen und anpassen und ein Raum müsste schließlich so schallisoliert werden, dass das Schlagzeug nicht alles andere überschallt. Wenn wir Glück haben, können wir die Gemeinde in Playas davon überzeugen, das zu bezahlen, denn MoG kann nicht immer alles übernehmen.

Am Ende der Reise haben Rodolfo und ich gemeinsam mit unserem Patenkind und dessen Eltern aus Guasmo einen Strandtag in Playas-Nähe eingelegt. Jetzt sind wir wieder im Guasmo, wo die Vorbereitungen für das große Konzert am 07. August auf Hochtouren laufen. Gegen Ende August steht noch eine Reise in ein weiteres Projekt für mich an – bis dahin bleibe ich erstmal im Guasmo.