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Ankunft in der neuen Heimat

Hallo! Ich bin Lenka, 19 Jahre alt, habe dieses Jahr meine Gymnasiumlaufbahn endlich abgeschlossen und bin nun bereit mich in die weite Welt zu begeben. Vor ziemlich genau einem Jahr bin ich durch einen Zeitungsartikel, den mir meine Oma hat zukommen lassen, auf “Musiker ohne Grenzen” gestoßen und war vom ersten Moment an von der Idee begeistert. Spätestens nach dem ersten Vorbereitungsseminar im November war für mich klar, dass ich unbedingt Teil der sogenannten “MoGs” werden will. Anfang dieses Jahres stand dann fest, in welches Projekt ich komme und zwar in das in dem an der Küste liegenden Ort: Playas. Nach dem ganzen Abistress, zwei Monate nichts (Sinnvolles) tun und einem qualvollen Monat Arbeit bei Adidas, ging mein Flug nach Ecuador dann schließlich am 31.8. um 6:05 von Nürnberg aus los. Ich konnte mich an meinen letzten Flug nur noch wage erinnern, aber ich muss sagen, ich könnte mich glatt daran gewöhnen; geschätzt stündlich kommt ein netter junger Mann mit etwas Essbarem oder einem Saft vorbei, es gibt eine große Auswahl an Filmen. Wenn man keine Lust auf das alles hat, stülpt man sich einfach die Schlafbrille über. Was will man mehr…

Aber nun zum interessanten Teil: Ich wurde von meiner Gastmutter und Anne (der Projektleitung, die sich zur Zeit auch in Ecuador befindet) mit dem Auto am Flughafen von Guayaquil abgeholt. Zuhause angekommen erwartete mich schon die ganze Familie. Diese besteht aus Papa Santo, Mama Gina, Tochter Gina, Lili und Estefania, Sohn Santi und Izrael, Lilis Sohn Luiggi und Estefanias Sohn William, natürlich Onkel Julio, der den Haushalt schmeißt und den vier (nicht ganz so gehorchenden) Hunden. Die Familie besitzt ein Hotel nahe am Meer und einen Laden im Zentrum, der lauter kitschige Sachen verkauft, für die in Deutschland kein Schwein Geld ausgeben würde. Erschöpft vom Flug und der Zeitverschiebung wurde mir natürlich gleich mein erstes ecuadorianisches Essen serviert (weil ich vom nach dem ganzen Flugzeugfraß ja noch so schrecklich hungrig war). Auf dem Vorbereitungsseminar wurde also nicht gelogen: Es gibt vieeel Reis. Dies bestätigte sich auch in den folgenden Tagen. Die Menschen hier essen zu allem Reis; zu Nudeln, zu Kartoffelbrei, einfach zu allem. Außerdem essen sie echt (viel zu) viel. Zum Frühstück gibt es schon ein halbes Mittagessen und einige Stunden drauf zum Mittagessen erneut reichlich. Ganz wichtig hier ist die Suppe. Wenn ich mich etwas besser verständigen kann, werde ich zu verstehenn geben, dass ich nicht unbedingt jedes mal Suppe vor dem Essen brauche, da allein die mich eigentlich schon satt macht. Aber man will die Familie ja vor allem am Anfang nicht gleich enttäuschen. Wenn man nicht sprechen kann, macht man halt einfach das, was von einem verlangt wird. Fasziniert bin ich jedoch von den super leckeren, eisgekühlten Fruchsäften,die es bei mir im Haus meist frisch gepresst gibt. Jeden Tag koste ich eine neue Frucht; Papaya, Maracuja, irgendwelche Zitrusfrüchte. Wie viel Zucker die Eccis da noch mit reinmischen will ich gar nicht wissen, ich rede mir auf jeden Fall ein, dass sie gesund sind!

Zum Haus: Es hat erstmal gedauert bis ich verstanden habe, wo denn überhaupt alle schlafen. Aber die Hauptsache ist, ich habe mein eigenes Zimmer! Und das mag ich echt gern. Ich habe einen Spiegel, eine Kommode, ein Bett mit Moskitonetz (das ich erstmal flicken musste). Ein guter Rückzugsort um seine Privatsphäre zu genießen und vor allem um die Wertsachen aufzubewaren, denn ich soll mein Zimmer immer wenn ich aus dem Haus gehe absperren. Alle Zimmer sind oben offen, das heißt es wird früh ab spätestens 8:00 Uhr laut, wenn meine Familie frühstückt. Und dann gibts da noch diesen Hahn, der um Punkt fünf immer penetrant das Krähen anfängt; so laut, dass man denken könnte er stände direkt neben dem Bett. Ab 5:00 Uhr nochmal im Halbschlaf die Ohrstöpsel gesucht kann ich dann meistens nochmal drei bis vier Stunden schlafen. Das Bad ist zwar anders als bei uns in Deutschland, aber ich habe mich doch recht schnell dran gewöhnt. Sogar das kalte Duschen fällt mir von Tag zu Tag leichter.

Die Musikschule, an der ich die nächsten Monate unterrichten werde, habe ich bereits an meinem zweiten Tag hier besichtigt. Anne holte mich vom “Local” (Geschäft) ab und wir schnappten uns ein Trisimoto (hammer Teil und dazu noch mega günstig: 0,50$ die Fahrt). Man kann sich die Musikschule nicht so vorstellen wie eine in Deutschland. Das Centrum Intercultural wird sehr vielseitig genutzt: Von den Künstlern, für Reunions oder Präsentationen oder eben von uns Musikern. Es sind drei Räume für uns vorgesehen, von denen einer jedoch vom Schlagzeug “blockiert” wird. In meiner ersten Unterrichtsstunde,die ich bereits in meiner ersten Woche hatte, bin ich ins Freie gegangen, weil es wegen der Lautstärke und der Hitze einfach angenehmer war. Auch das mit den Schülern läuft hier etwas anders ab. Man kann nicht fest damit rechnen wann sie kommen, oder ob überhaupt, obwohl sie eigentlich eine Zeit vorgegeben haben. Mein erster Schüler war ein älterer Mann an die 50, der sehr musikbegeistert ist und unbedingt Klarinette lernen will. Für mich war es eine große Erleichterung, dass er gutes Englisch konnte (da er früher Englischlehrer war). Sonst sprechen hier die Wenigsten englisch. Für seine erste Klarinettenstunde hat er sich auch ganz wacker geschlagen. Der Unterricht mit meiner ersten Saxophonschülerin verlief nicht ganz so einfach. Ich war überfordert , weil sie nur spanisch konnte und Saxophon ja eigentlich auch nicht mein Instrument ist. Nach anfänglichen Schwierigkeiten interagierten wir dann aber doch ziemlich gut. Leider blieb es bisher bei diesen zwei Schülern, da ich in meiner zweiten Woche von meinen drei weiteren Schülern versetzt wurde. Mein Stundenplan muss sowieso noch etwas auf Vordermann gebracht werden, weil ich bisher erst sehr wenige Schüler habe. Wenn wir die Erlaubnis kriegen bemühen wir uns die nächste Zeit etwas Werbung in den Schulen zu machen.

Für den Anfang könnte ich natürlich noch von dem unbeschreiblich schönen Meer vorschwärmen, das gerade mal zwei Straßen von meinem Haus entfernt ist und den ganzen Ort nochmal erheblich aufwertet. Vom Strand, dem lauwarmen Meer mit den atemberaubenden Wellen, den riesigen schwarzen Möwen und den Pelikanen kann man einfach nur begeistert sein.