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Von pinken Vögeln und langen Nächten

Kaum ist unser Team ‘Playas’ komplett, heißt es für den ersten von uns auch schon wieder Abschied nehmen. Justus (unser Schlagzeuger) war bloß für drei Wochen in seinen Semesterferien im Projekt und verlässt uns jetzt für eine Summerschool auf Kuba, was ziemlich tragisch ist, da er wohl die meisten Schüler hatte. Trotzdem konnten wir noch einige schöne Momente mit ihm verbringen.
Mittwoch nahmen wir uns ein Taxi in das etwa 10 Minuten entferne Puerto del Morro, um wie typische Touris eine Delfintour mitzumachen. Mit unserem vorrübergehenden Besuch (Julian und Joana), der aus Guayaquil kam, um sich unser Projekt anzuschauen, ging es dann auf zur 1 1/2 stündigen Rundfahrt auf einem flussartigen Gewässer, das ins Meer mündet. Für die herruntergehandelten 5$ pro Person war es dann auch echt okay, dass die Delfine keine spektakuläre Show neben unserem Bötchen abgezogen haben, sondern wirklich nur ein paar mal aufgetaucht sind, um Luft zu schnappen. Auch das hatte ich ja in freier Wildbahn noch nie gesehen. Doch nicht nur die Delfine, auch die pinken Vögel mit langen Schnäbeln (nein, keine Flamingos) waren den Ausflug echt wert. Die Tour endete etwa um 17:00 Uhr und der Plan war, auf einen Hügel zu wandern, der laut der Einwohner zu Fuß in 20 Minuten zu erreichen war, um von dort aus den Sonnenuntergang zu betrachten. Die Wegbeschreibung “einfach geradeaus” brachte uns dann jedoch auch nach einer dreiviertelstunde zu keinem Ziel und der nächste größere Hügel war so ungehfähr wage am Horizont zu erkennen. Etwas schade, aber die Wanderung Richtung Playas während Sonnenuntergang war auch sehr entspannt, zudem wir bei einem auf dem Weg liegenden Melonenstand Rast machten. Die Straße war kaum befahren, doch das Glück war auf unserer Seite, sodass uns ein Schulbus auf halber Strecke mit nach Hause nahm. Die Busse hier sind so eine Sache für sich: Haltestellen gibt es hier schonmal nicht, heißt also die Busse fahren bei offener Tür und die Menschen springen mal eben raus, wenn der Bus an einer Ampel hält. Händler eilen bei der Gelegenheit schnell hinein, um den Passagieren ihre Ware anzudrehen oder andere wiederrum um uns von Gott zu singen.
Zurück zur letzten Woche: Donnerstagabend traf sich unsere Gruppe zusammen mit Justus, um seinen letzten Abend in Playas noch in Ruhe ausklingen zu lassen. Sein letzter Wunsch war ein Lagerfeuer am Strand. Also setzten wir das an unserem berühmten Stamm-Strandplatz, der sich ziemlich am äußeren Ende der Stadt befindet, in die Tat um. Bis in die frühen Morgenstunden lagen wir dort und sangen mal mehr mal weniger schief Lieder begleitet von lieblichem Ukulelenklang. Hunde jagten sich am Rande des Meeres und schienen ihre Freiheit genauso zu genießen wie wir in diesem Moment.
Am Freitag stand dann das erste Konzert von Ola Sinphonica an, das ich erleben durfte. Es handelte sich hierbei um eine Veranstaltung, wie sie einmal im Monat stattfinden soll, um die Musikschule bekannter zu machen: Die Schüler, die schon länger aktiv dabei sind dürfen auftreten und unsere “Chefin” Isabell spielt Moderator. Um 18:00 Uhr sollte uns also der Bus abholen. Wenig überrascht war ich davon, dass wir erst eine Stunde später los kamen. Die Wartezeit nutze ich, um schnell nochmal zum “Pan-Laden” um die Ecke zu huschen und ein paar pan mixtos (knuspriges aufgebackenes Brötchen mit salzigem und süßem Teig vermischt, einfach göttlich!) für den Weg zu ergattern. Das Konzert selbst war dann auch so ungefähr wie ich mir das vorgestellt hatte: Die Technik funktionierte mehr schlecht als recht, Menschen wurden zu Mikroständern umfunktioniert, einige Stücke wurden einfach nicht angesagt und somit auch einfach weggelassen. Aber das schien die Zuschauer alles gar nicht zu stören. Generell muss ich sagen, dass es eine gute Idee ist, Konzerte von der Musikschule zu veranstalten, jedoch sollten die in größeren Abständen aufeinander folgen, sodass man Zeit hat, ein Stück richtig mit seinen Schülern einzuüben. Das jedoch den “Chefs” vom Centro Intercultural zu verklickern wird wohl ein längerer Prozess werden…
Nachdem ich Freitag endlich mein Fahrrad habe richten lassen, konnte ich dieses am Samstag auch gleich einweihen. Der Weg zur Musischule beträgt zehn Minuten und allein diese Strecke hat mir mal wieder gezeigt, wie unsportlich ich eigentlich bin. Aber man hat gleich ein besseres Gefühl, einen Tag mal kein Geld für Trisimoto oder Taxi auszugeben. Außerdem habe ich somit meinen Ausgleich zu dem ganzen Essen gefunden. Bei zwei Mal täglich 10 Minuten hin und zurück sind mindestens die Kalorien für einen Fruchtsaft abgestrampelt.  Samstag war jedenfalls der Tag, an dem ich eine neue Klarinettenschülerin kennen lernen durfte. Es handelte sich um eine Frau an die 40, deren Tochter zur gleichen Zeit Geigenunterricht bei Lea nimmt. Vor der Stunde hatte ich echt Bammel, dass ich ihr mit meinem mangelhaften Spanisch nicht erklären kann, wie man in eine Klarinette reinbläßt. Meine Sorgen waren jedoch völlig unberechtigt, ich war wirklich positiv überrascht wie schnell sie verstand, was ich von ihr will.
Der Samstagabend sollte natürlich auch genutzt werden. Während Playas unter der Woche abends/nachts wie leergefegt ist, geht hier am Wochenende echt was. Wir starteten in einer Karaokebar und endeten im Club ‘Aloha’, in dem ich mit meiner ersten richtigen Reggaeton-Tanzstunde konfrontiert wurde.

Fazit nach Woche drei: Mir geht es hier wirklich gut. Besonders schön ist es zu sehen, wie sich der kleine William, der anfangs mir gegenüber schüchtern war, Schritt für Schritt an mich gewöhnt und plötzlich redet wie ein Wasserfall; dass der Onkel mir zuhört und versteht, dass ich zum Frühstück lieber Früchte als Fisch haben möchte. Das Haus meiner Gastfamilie fühlt sich jetzt schont wie ein Zuhause an. Ich freue mich Abends hierher zu kommen und zu wissen, dass wir noch zusammen Abendessen, nebenbei vielleicht ein bisschen Fernsehn schauen, meine Gastbrüder rumalbern und ich am Ende des Tages in mein eigenes Bett fallen kann.