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Weil MoG einfach moggt!

Hallo ihr Lieben,

bevor ich loslege, von meiner Reise und meinem Leben hier zu erzählen, möchte ich kurz erklären, wie es dazu kam. (Okay, das „kurz“ können wir streichen, jetzt ist es doch viel länger geworden als ich dachte :D).

Schon lange war mir klar, dass ich nach der Schule nicht direkt mit dem Studium anfangen wollen würde, was ich machen wollte, wusste ich allerdings auch nicht genau.

Weltreise war eine Option, aber das ist sehr teuer und die Kultur, die Menschen und das Land lernt man ja eigentlich erst richtig kennen, wenn man irgendwo länger wohnt. Reisen ist das Tollste, was es gibt, aber ich möchte meine Reisen lieber aufteilen und nicht die ganze Welt in einem Jahr entdecken. Weltreise fiel also weg.

Ein Jahr einfach nur arbeiten/jobben kam für mich auch nicht in Frage. Das Jahr, das uns in der Schule „genommen“ wurde, wollte ich nur ungern an der Kasse von H&M oder im Supermarkt verbringen.

Etwas Gutes nach der Schule tun, FSJ? Im Ausland? Keine schlechte Idee… Ich wollte schon immer Spanisch lernen und dachte daran, nach Südamerika zu gehen und dort in einem sozialen Projekt zu arbeiten. Soweit so gut. Das einzige, was mir an dieser klassischen FSJ-Idee nicht gefiel, waren bzw. sind zwei Punkte. Erstens kostet es mit einer Organisation meistens sehr viel Geld, obwohl man freiwillig arbeitet, wobei viel Geld an die Organisation und nicht an das soziale Projekt geht (ist natürlich nicht immer so, zB. bei weltwärts nicht, aber viele Organisationen verlangen sehr viel Geld). Und zweitens ist es mit Sicherheit eine tolle Erfahrung für den jeweiligen Freiwilligen, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass in vielen Projekten eben gerade das im Vordergrund steht, also „tolle Erfahrungen“‚ zu sammeln. Das ist in keinem Fall vorzuwerfen, da der ganze Spaß wie eben genannt oft sehr teuer ist, aber die eigentliche Entwicklungsarbeit kommt etwas zu kurz und an der Nachhaltigkeit der Freiwilligenarbeit ist zu zweifeln. Außerdem kennen sich die jeweiligen Landesbewohner in Gebieten wie Kinder-/Waisenbetreuung, Wohn-/Schulbau, Pflege o.ä. meist genauso gut aus wie die Organisationen und deren Freiwillige, trotzdem werden die FSJler mit ihrem unermüdlichen (und tendenziell natürlich lobenswerten!) Engagement wie soziale Helden betrachtet, obwohl sie eigentlich doch „nur“ eine weitere Arbeitskraft sind. Und an Arbeitskräften mangelt es in Entwicklungsländern meistens nicht.

Keine Frage, es gibt auch sehr nachhaltige FSJs wie z.B. Englisch-Unterrichten oder generell die Wissensvermittlung (darauf komme ich gleich zurück) und die zwei genannten Punkte treffen definitiv NICHT auf alle Projekte und Organisationen zu. Ich will wirklich keine einzige Freiwilligenarbeit schlecht reden, im Gegenteil, es ist großartig, wenn sich jemand sozial engagiert. Aber irgendwie habe ich nicht das richtige FSJ für mich gefunden, ich habe mich in keinem Projekt/keiner Organisation wiederfinden können (zugegebenrmaßen hätte ich auch länger suchen können haha :D) Bis…

Ich weiß nicht mehr, wann oder wie ich genau auf „Musiker ohne Grenzen“ (MoG) gestoßen bin, aber irgendwie wusste ich, das ist das richtige Projekt für mich! Eine Freundin von mir war schon mit MoG in Ecuador, aber damals war mir nicht richtig klar, was MoG eigentlich genau ist. Irgendwann habe ich mich darüber informiert und vor ungefähr einem halben Jahr war klar, dass das klappen würde. Ich war begeistert. So, und jetzt zu „Musiker ohne Grenzen“!

Um mir Zeit und inhaltliche Unrichtigkeiten zu sparen, habe ich die Beschreibung der MoG-Website eingefügt, um euch zu erklären, was MoG ist:
„Musiker ohne Grenzen begründet ein weltweites Netzwerk kreativer Musikprojekte, um Menschen einander näher zu bringen und ihnen unabhängig von ihrer Lebenssituation einen Zugang zur Musik zu ermöglichen.
Wir vermitteln MusikerInnen und Sachspenden, welche die Projekte in ihrer Arbeit unterstützen. Mithilfe der Musik verbessern wir die Lebenswirklichkeit in sozialen Brennpunkten: Die Musik ebnet den Weg zur Selbstverwirklichung und ist ein Medium, sich selbst auszudrücken sowie die eigene Realität zu artikulieren. Durch die musikalische Arbeit bieten wir Alternativen zu einer kriminellen Karriere und dem sozialen Abseits. Unsere Arbeit sensibilisiert alle Beteiligten stark für das Thema sozialer Verantwortung. In diesem Prozess werden wir selbst zu Lernenden – und unsere Schüler zu Lehrern.
Musiker ohne Grenzen lebt durch das Engagement einer großen Gemeinschaft. Für die Finanzierung ist das Projekt auf die Unterstützung von Spenden, Förderern und Stiftungen angewiesen“.

In einfachen Worte, MoG vermittelt Musiker (hauptsächlich) nach Ecuador, die dort umsonst Musikunterricht geben, eine Musikschule mit aufbauen und eine Freizeitbeschäftigung in sozialen Brennpunkten bieten, die im idealsten Fall große Perspektiven schafft und fremde Kulturen und Menschen verbindet. Wir Musiker leben dort in im Projekt eingebundenen Gastfamilien, die in recht einfachen Verhältnissen leben und mehr als herzlich MoGs aufnehmen. Wir MoGs sind nicht nur Lehrer und vermitteln Wissen, wir sind auch Schüler, die von und in dieser fremden Kultur sehr viel lernen können. Und um auf den Punkt von oben zurückzukommen, inwiefern Freiwilligenarbeit nachhaltig ist – bei MoG bin ich fest davon überzeugt, dass sie das ist. Ein Beispiel dafür ist das 10-Jahre-alte Projekt im Guasmo in Guayaquil, das älteste Projekt von Musiker ohne Grenzen. Das Projekt bzw. die Musikschule ist so stark gewachsen und läuft mittlerweile so gut, dass nur noch wenige deutsche Freiwillige dort sind und hauptsächlich die Ecuadorianer die Organisation und das Unterrichten übernommen haben. Dort kann man sehen, dass Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt (was mir bei meiner Freiwilligenarbeit sehr wichtig ist) und wie viel die Übermittlung von Wissen, in diesem Fall musikalischem Wissen, Spielfreude und Begeisterung, erreichen und Leben verändern kann, ecuadorianische wie auch deutsche Leben.

Ich glaube, der Text spricht für sich. Für mich waren alle Voraussetzungen erfüllt.
Freiwilligenarbeit, aber keine kommerzielle Organisation, Südamerika (das mich spätestens seit meinem 5-monatigen Kanada-Aufenthalt interessiert, da ich von der Mentalität und Lebensfreude der südamerikanischen Austauschschüler wirklich angetan war), Spanisch lernen, eine neue Kultur kennenlernen und „irgendwas“ mit Musik machen, sprich, Musikinstrumente zu unterrichten. Bingo. Diejenigen, die mich besser kennen, wissen, dass Musik eine sehr große Rolle in meinem Leben spielt und diese Leidenschaft mit meinem Freiwilligendienst zu verbinden – was gibt es Schöneres.

Meine Annahme, dass es sich bei MoG oder besser gesagt bei den MoGs, den Musikern ohne Grenzen, um außerordentlich interessante und coole Menschen handelt, wurde auf dem Vorbereitungsseminar im Mai bestätigt. Ich war erstaunt, dass dieses Seminar meine große Vorfreude NOCH mehr steigern konnte und hätte nicht gedacht, wie wohl ich mich unter all diesen verschieden tickenden Menschen fühlen würde, die doch eins verbindet: die Musik. Falls irgendeiner von euch MoGs das hier liest – danke für diese coole Zeit, ihr seid echt geil drauf und ich freue mich, euch wiederzusehen, manche vielleicht sogar hier in Ecuador!

So, jetzt ist dieser Text hier doch seeeehr lange geworden. Aber mir war es wichtig, einmal zu erklären, warum ich mich für „Musiker ohne Grenzen“ und Ecuador entschieden habe. Wenn ihr bis zum Ende dabei geblieben seid und das hier noch lest, herzlichen Glückwunsch, dann dürft ihr euch einmal auf die Schulter klopfen!

Ich bin sehr gespannt, wie sich das Projekt in Playas, wo ich leben werde, in diesem Jahr entwickeln wird und ob/wie viel wir erreichen können. Und ich bin gespannt, wie ich in einem Jahr über alles denken werde.
Ich freue mich schon sehr und werde (wie wahrscheinlich jeder Freiwillige das am Anfang ist :D) mit viel Elan und Tatendrang an die Sache gehen!
Wenn ihr mich auf dieser „Reise“ auf diesem Blog begleiten wollt, freue ich mich sehr und kann euch hoffentlich schon bald mehr berichten!

Bis dahin, liebste Grüße und haltet die Ohren steif.

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Lea