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Mit Musiker ohne Grenzen durch das Jahr 2018 – Januar

Dieses Jahr ging der erste MoG Kalender in Produktion. Aus unseren verschiedenen Projekten haben wir zwölf Aufnahmen besonderer Momente ausgewählt, die Euch durch das Jahr 2018 begleiten sollen. Jeden Monat findet Ihr hier ein paar Zeilen zu dem jeweiligen Kalenderblatt. So bekommt Ihr einen Eindruck von unserer Arbeit, den verschiedenen Projekten und den Menschen hinter den Instrumenten. Viel Spaß beim Lesen.

Januar

Meine Reise beginnt in Hamburg, in Altona. Dort wurde ich jahrelang von Sophie gespielt. Als Sophie bei ihren Eltern auszog, nahm sie mich mit, in der Hoffnung, doch ab und zu mal zum Üben zu kommen. Doch zwischen Beruf und Kindern fand sie kaum noch Zeit, weshalb ich in meinem Koffer vor mich hindöste.

Eines Tages erwachte ich durch eine Erschütterung. Voller Vorfreude darauf, vielleicht doch wieder gespielt zu werden, wartete ich hoffnungsvoll. Die Schachtel öffnete sich, doch ich erblickte nicht das Gesicht von Sophie, sondern von Christoph, einem sogenannten MoG, wie ich später erfuhr. Sophie hatte beschlossen, mich an die Organisation Musiker ohne Grenzen zu spenden. Sie wollte mich keinesfalls wegwerfen, und beschloss, dass es am schönsten wäre, wenn jemand anders mich spielte, jemand, der sich sonst keine Querflöte leisten konnte. So lag ich also da, im Keller des Hamburger Büros von Musiker ohne Grenzen, und trauerte vor mich hin. Allzu viel Zeit zum traurig sein hatte ich jedoch nicht, denn nach circa zwei Tagen, wie mein inneres Metronom vermuten ließ, wurde ich aus dem Keller ans Licht gebracht. Ich hörte bei Telefongesprächen mit, dass ich wohl in Jamaika benötigt würde. Voller Aufregung machte ich mich also auf die Reise.

Es war mein erster Flug, doch ich lag weich gebettet und kam unversehrt in Trenchtown an. Die Anfänge waren selbstverständlich etwas schwierig für mich. Häufig verstand ich kein Wort von dem, was die Leute sagten, die mich spielten. Zudem waren es meistens Kinder. Trotzdem fühlte ich mich nach einiger Zeit sehr wohl, denn ich bemerkte, wie glücklich und aufgeregt die Kinder waren, wenn sie mich spielen durften.

Und ich habe viel gelernt: Kingston ist die Hauptstadt Jamaikas. Ich selbst befinde mich im Trenchtown Culture Yard. Das Culture Yard ist ein Kulturzentrum im Herzen von Trenchtown, dem Armenviertel von Kingston. Früher lebte dort ein gewisser Bob Marley, der wohl Musiker war, doch, soweit ich mich erinnern kann, nie Stücke für Querflöte komponiert hat. Heute ist das Culture Yard ein Museum und Geheimtipp für Touristen. Die Freiwilligen des Musikprojekts Musiker ohne Grenzen Jamaika e.V. dürfen den weitläufigen Yard nachmittags für den Instrumentalunterricht und für Bandproben nutzen. So sieht man jeden Nachmittag in den verschiedenen Ecken im Schatten der Bäume Schüler und Lehrer mit Saxophonen, Trompeten, Gitarren und natürlich Querflöten sitzen. Die Schüler, die gerade nicht an der Reihe sind, spielen im Innenhof und warten, bis ihre Lehrer Zeit für sie haben. Jeden Tag kommen auch neue Schüler vorbei, die von ihren Freunden oder von der Musik aus dem Culture Yard angelockt werden. Sie dürfen dann verschiedene Instrumente ausprobieren.

So trug es sich zu, dass ich eines Tages von besonders behutsamen Händen angehoben wurde. Das Mädchen pustete vorsichtig, dann etwas kräftiger und ich spielte meinen schönsten Ton für sie. Sie blickte mich an und lächelte. Von diesem Tag an kam sie regelmäßig, um auf mir zu spielen. Und ich fühlte mich endlich wieder nützlich und zufrieden.

Mehr Eindrücke aus Jamaika findet Ihr hier.

Zur Vereinseite von Musiker ohne Grenzen Jamaika e.V. geht’s hier.

Ihr habt auch ein Instrument, das Euch sehr am Herzen liegt, aber leider nur zustaubt? Zur Instrumentenspende hier entlang.