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Mit Musiker ohne Grenzen durch das Jahr 2018 – März

Dieses Jahr ging der erste MoG Kalender in Produktion. Aus unseren verschiedenen Projekten haben wir zwölf Aufnahmen besonderer Momente ausgewählt, die Euch durch das Jahr 2018 begleiten sollen. Jeden Monat findet Ihr hier ein paar Zeilen zu dem jeweiligen Kalenderblatt. So bekommt Ihr einen Eindruck von unserer Arbeit, den verschiedenen Projekten und den Menschen hinter den Instrumenten. Viel Spaß beim Lesen.

März

Wer nachmittags durch die Flure der Jonestown Primary School schlendert, vernimmt schon bald ein Geräusch. Zunächst ist es nur sehr leise und undefiniert, doch je mehr man sich Raum 34 nähert, desto deutlicher hört man: Hier spielt jemand Trompete. Und auch heute erklingen sie wieder, die meist noch sehr unsicheren Töne, dann, ab und zu, eine selbstbewusste Melodiesequenz, die wohl schon häufiger geübt wurde. Der junge Musiker, dem wir beim Trompetenspielen lauschen, heißt Richard. Er ist Schüler der 5. Klasse der Jonestown Primary School. Seit über zwei Jahren hat das Musikschulprojekt in Trenchtown, dem Armenviertel von Jamaikas Hauptstadt Kingston, eine Kooperation mit der Grundschule im Nachbarviertel Jonestown. Die Freiwilligen von Musiker ohne Grenzen unterrichten in verschiedenen Klassen Blockflöte, Percussion und Musiktheorie. Schüler, die viel Spaß und Freude an der Musik haben, können zusätzlich nachmittags zum Unterricht kommen und dort Instrumente wie Klavier, Gitarre oder Trompete erlernen. Richard hat sich für die Trompete entschieden. Am Anfang hat es ihm einfach nur Spaß gemacht, wie wild in das Instrument zu blasen und so Töne zu erzeugen. Mittlerweile ist er im Unterricht mit dem Freiwilligen Max schon ein ganzes Stück weiter. Er hat gelernt, durch unterschiedliche Techniken verschiedene Töne zu produzieren. Zudem kann er schon erste kleine Melodien spielen. Das verlangt zwar wesentlich mehr Konzentration als einfach nur darauf los zu pusten, hört sich aber auch schöner an. Max ist verwundert und auch ein Stück weit stolz darauf, wie schnell Richard Fortschritte macht. Mittlerweile ist der Unterricht mehr als nur Instrumentenlehre. Max wurde zu einer festen Bezugsperson für Richard. Die beiden reden und lachen miteinander, um dann wieder gemeinsam zur Musik zurückzukehren. Der Übungsraum wird den Freiwilligen von der Grundschule als Unterrichtsraum zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit den Schülern wurden vor einiger Zeit sogar die Wände mit Notenschlüsseln, Noten und Instrumenten bemalt.

Trenchtown in Kingston, besser bekannt als die Heimat von Bob Marley, war und ist ein sozialer Brennpunkt. Die Ghettos von Kingston haben, wie ganz Jamaika, eine dunkle Geschichte. Nach jahrhundertelanger Sklaverei wurde Jamaika erst vor gut 50 Jahren unabhängig. In den Ghettos von Kingston tobte in den 80er Jahren ein Bürgerkrieg. Die Armut und Analphabetenrate unter den jungen Erwachsenen ist hoch. Musik kann hier eine Alternative zur kriminellen Zukunft aufzeigen. Musiker ohne Grenzen bietet dort Musikunterricht an, wo er sonst für viele nicht erschwinglich wäre und hilft dabei, die Lebenswelt von Kinder wie Richard in Trenchtown zu verbessern.

Mehr Eindrücke aus Jamaika findet Ihr hier.

Zur Vereinseite von Musiker ohne Grenzen Jamaika e.V. geht’s hier.

Ihr möchtet als Freiwillige nach Jamaika und Euer Instrument unterrichten? Informiert Euch hier.