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Mit Musiker ohne Grenzen durch das Jahr 2018 – Mai

Dieses Jahr ging der erste MoG Kalender in Produktion. Aus unseren verschiedenen Projekten haben wir zwölf Aufnahmen besonderer Momente ausgewählt, die Euch durch das Jahr 2018 begleiten sollen. Jeden Monat findet Ihr hier ein paar Zeilen zu dem jeweiligen Kalenderblatt. So bekommt Ihr einen Eindruck von unserer Arbeit, den verschiedenen Projekten und den Menschen hinter den Instrumenten. Viel Spaß beim Lesen.

Mai

Es war einmal eine Terrasse. Eine Dachterrasse, um genau zu sein. Sie bedeckte ein Gebäude im Guasmo. Der Guasmo ist ein Stadtteil Guayaquils in Ecuador. Viele Jahre bedeckte sie dieses Gebäude und hielt Sonne und Regen aus. Manchmal verirrten sich einige Jugendliche hinauf, ab und an waren es einzelne Personen. Selten geschah etwas Spannendes. Die Terrasse hatte sich nie über ihr doch etwas ödes Dasein beklagt und war brav geblieben, wo sie hingehörte. Und als bereits viele Jahre vergangen waren und die Terrasse sich sicher war, dass auf ihre alten Tage nichts mehr kommen würde außer Regen und Sonne, da vernahm sie plötzlich aus dem Inneren des Gebäudes unter sich Töne, schöne Melodien, Vibrationen, Kinderstimmen. Die Terrasse freute sich für das Gebäude, dass es endlich etwas Leben abbekam, auch wenn sie wusste, dass sich für sie nicht viel verändern würde. Doch da hatte sie sich gehörig getäuscht. Eines Tages, als sie in der Mittagssonne vor sich hin glühte, da vernahm sie plötzlich Stimmen aus dem Treppenhaus. Die Stimmen kamen näher und mit einem Male öffnete sich die Tür. Zwei Jungs kamen heraus, in der Hand jeweils eine Trompete und hinter ihnen eine junge Frau. „Hier ist es viel zu heiß“, sagte die junge Frau. „Ich denke es ist besser wir kommen heute Abend nochmal hoch.“ Gesagt Getan, am Abend erschienen sie wieder, diesmal mit Stühlen und setzten sich in die Mitte der Terrasse. „Hier können wir gut üben“, sagte die junge Frau. „So stören wir niemanden mit unserer lauten Musik.“ Der erste Trompetenton erklang und hallte weit über den Guasmo. Die Terrasse war entzückt und außer sich vor Freude. Denn von diesem Tag an kamen und kommen regelmäßig, mal morgens, mal abends, junge Menschen mit Trompeten, ab und an mal mit einer Posaune und spielen auf dem Dach. Nicht selten kommen noch am späten Abend, wenn die Sonne bereits untergegangen war, viele Menschen mit verschiedenen Instrumenten, mit Gitarren und Percussion und nutzen die Terrasse für ihre Jam Sessions. Auch „Rapflexion“, die Rapgruppe des Guasmo kommt häufig zum Üben nach oben. Das Bild zeigt Michael und Kennth mit ihrer Lehrerin Constanze. Die beiden haben damals gerade erst mit dem Trompetenunterricht begonnen, fleißig geübt und spielen mittlerweile bereits im Bläserensemble mit.

Hier im Guasmo hat vor vielen Jahren alles begonnen. Die Abiturientin Magdalena Abrams absolvierte von 2005 bis 2008 auf eigene Initiative einen Freiwilligendienst in Guayaquil. In Zusammenarbeit mit dem einheimischen Entwicklungsprojekt „Asociación Movimiento Mi Cometa“ entstand während dieses Freiwilligendienstes eine Musikschule für die Menschen des unmittelbaren Umfelds. Daraufhin startete eine Gruppe von Studierenden ein Pilotprojekt: Sie unterrichteten sechs Wochen ehrenamtlich in dem Musikprojekt. Sie lebten vor Ort in den Familien der Schüler*innen, was neben den musikalischen Lernprozessen auch intensive interkulturelle Begegnungen ermöglichte. Nach diesem Einsatz entstand die Idee, einen Verein zur Fortführung der Arbeit zu gründen. So entstand im März 2008 der gemeinnützige Verein „Musiker ohne Grenzen“.

 

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen und die Entwicklung unsere Projekte vorantreiben? Spenden Sie jetzt.

Mehr über das Projekt in Guayaquil finden Sie hier.

Du möchtest gerne mal auf der Terrasse sitzen und Kindern das Trompetespielen beibringen? Zum Freiwilligendienst geht’s hier.