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Warum MoG?

Wenn ich Leuten erzähle, was ich so das nächste Jahr über mache, sind die meisten überrascht und jedem muss ich es erklären. Also tue ich es auch hier nochmal für alle, die nicht im Bilde sind.

Ich mache ein freiwilliges soziales Jahr, genau genommen einen Musikalischen Freiwilligendienst. Da es ja doch nicht das Alltäglichste ist, erzähle ich euch wie ich darauf gekommen bin: Mir war schon lange klar, dass ich nach dem Abitur nicht sofort mit dem studieren anfangen wollte. Da ich niemals in meinem Leben zur Bundeswehr gehen würde, lag ein FsJ nahe. Schnell wurde mir auch klar, dass ich mal raus wollte, sprich ins Ausland. Auslöser dafür war mein großartiger Monat letzten Sommer mit dem Pad, wo ich so viele tolle Menschen aus der ganzen Welt kennen gelernt habe. Ich wollte also losziehen und noch mehr Menschen aus anderen Ländern, mit anderen Kulturen kennen lernen und aus dem Alltag hier in Deutschland entfliehen.

Mit diesen Anforderungen an mein nächstes Jahr bewarb ich mich also bei einigen Freiwilligendiensten, jedoch auch bei einer Au Pair Organisation. Unter anderem bewarb ich mich bei Kulturweit, wo ich (retroperspektiv gesehen glücklicherweise) abgelehnt wurde. Von einigen Weltwärts-Organisationen habe ich bis heute keine Antwort bekommen, während ich Kontakt zu einer Familie in Shanghai aufgebaut hatte, welche mich auch als Au Pair haben wollte.

Doch dann stieß ich zufälligerweise bei der Suche nach weiteren Freiwilligendiensten auf Musiker ohne Grenzen. Ich las mit Begeisterung die gesamte Website und wusste sofort, dass ich das machen wollte! Irgendwie ist es ja naheliegend, denn was gibt es schöneres für einen Musiker, als ein ganzes Jahr lang nur Musik zu machen und das auch noch im Ausland mit Menschen, die genauso gerne Musik machen wie du. Also, Bewerbung geschrieben, abgeschickt, gewartet. Zwischendurch habe ich immer mal wieder mit dem ein oder anderen telefoniert und dann kam eines Tages plötzlich die Mail:

“Ich freue mich dir mitteilen zu können, dass wir dich für einen Einsatz in folgendem Projekt eingeteilt haben: Galapagos”

Im ersten Moment konnte ich es kaum glauben! Es war zu schön um wahr zu sein und ich dachte mir nur: “Joshua, freu dich nicht zu früh, sonst bist du später vielleicht enttäuscht, falls es nicht so klappt, wie du es dir erhoffst…”.

Aber es war dann tatsächlich sicher, dass ich als Schlagzeuger zusammen mit zwei anderen auf die Galapagos-Inseln fahren würde. Wie geil ist das denn bitte? Ich bin mir jetzt schon so sicher, dass es ein absolut perfektes Jahr wird!

Vermutlich denken jetzt die meisten: Ja klasse, der Junge fährt jetzt ein Jahr auf die Galapagos-Inseln und macht Strandurlaub… Ich bin sicher, dass ich den einen oder anderen Strand besuchen werde, aber meine Hauptaufgabe dort ist es Musikunterricht zu geben. Auf den Galapagos-Inseln gibt es nahezu keine Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche und es ist kein Geheimnis was passiert, wenn Kinder keinerlei Aktivitäten in ihrer Freizeit betreiben. Was wir dort machen ist also Kultur- und Entwicklungsarbeit in einem.

Musik wird diesbezüglich häufig unterschätzt, darum eine kleine Geschichte, welche mir vor kurzem widerfahren ist: Ich war mit einem Freund in Oberhausen auf einem Bandcontest, an dem mein Gitarrenlehrer mit seiner Band teilnahm. Leider haben sie nur den 2. Platz erreicht und haben nichts gewonnen, es war aber dennoch ein klasse Konzert. Danach wollten wir beide nach Hause fahren, also geht es für uns Richtung Hauptbahnhof. Wer von euch den Oberhausener Bahnhof kennt, weiß, dass er alles andere als ein gemütlicher Ort ist. Diese sehr unangenehme Atmosphäre verstärkt sich noch weiter, wenn man zu sehr später Stunde an einem Freitag dort eine halbe Stunde auf seinen Zug warten muss und zum größten Teil von feierwütigen Jugendlichen und heimkehrenden, stockbesoffenen Fussballfans umgeben ist, welche einem ihre Fangesänge um die Ohren jagen.

Wir stehen also oben am Gleis und hoffen nur, dass wir von Pöbeleien verschont bleiben, als ein junger Mann die Treppe hoch läuft mit einem Gitarrenkoffer. Er geht an uns vorbei, setzt sich an das Geländer vom Aufgang, packt die Gitarre aus und fängt an zu spielen. Auf einmal ist alles still und der ganze Bahnhof wird von feinsten Flamenco-Gitarrenklängen erfüllt. Wir lauschen dem Gitarristen bis der Zug einfährt, in den ich ohne meinen Kollegen einsteige (er musste einen anderen Zug nehmen). Ich folge dem Gitarristen uns setze mich in seine Nähe. Als er wieder anfängt zu spielen, setzte ich mich zu ihm, schnapp mir seinen Gitarrenkoffer und fange an drauf loszutrommeln. So geht es ein paar Minuten, bis eine Gruppe von Mädchen dazu kommt und anfängt, einfach zu dem, was wir spielen, zu singen.

Es war unglaublich! Noch nie hatte ich eine so tolle Zugfahrt. Es hat mich vollständig bestätigt in dem was ich machen möchte und mir gezeigt wie kraftvoll Musik sein kann. So scheiße die Situation eigentlich ist, kaum kommt Musik dazu, wird sie zu etwas besonderem, großartigem.

Ich hoffe ihr könnt nun verstehen was ich dort machen werde und warum. Also, immer schön viel Musik machen!

Joshua

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